ZUM GEDENKEN AN DIE VERSTORBENEN VORSITZENDEN DES HISTORISCHEN VEREINS / ALOIS OSPELT Josef Ospelt 1881 BIS 1962 VEREINSVORSITZENDER 1928 BIS 1955 KURZER LERENSLAUF Josef Ospelt wurde am 9. Januar 1881 in Vaduz als Sohn des Julius und der Maria geb. Seger geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Landesschule trat er in den Staatsdienst ein und arbeitete unter Lan- desverweser Karl von In der Maur als Regierungs- kanzlist. Im Jahre 1911 wurde er zum Regierungs- sekretär bestellt. Fünf Jahre später, 1916, heiratete er Mathilde Ospelt aus Vaduz. Josef Ospelt gehörte 1918 zu den Gründern der Fortschrittlichen Bürgerpartei und war später langjähriger Verwalter und Vorsitzender des Pres- severeins «Liechtensteiner Volksblatt». Am 23. März 1921 wurde er vom Fürsten zum Nachfolger von Landesverweser Dr. Josef Peer und gleichzeitig zum fürstlichen Rat ernannt. Nach Inkrafttreten der neuen Verfassung vom 5. Oktober 1921, an de- ren Ausarbeitung er beteiligt war, wurde er auf Vorschlag des Landtags zum Regierungschef er- nannt. Er war also in dieser Übergangszeit der letz- te Landesverweser und der erste liechtensteinische Regierungschef. Nach seinem Rücktritt am 27. April 1922 aufgrund der veränderten politischen Mehrheitsverhältnisse zog er mit seiner Familie für kurze Zeit nach Wien. 1918 bis 1922 besorgte er als Rentmeister auch die fürstliche Domänenver- waltung. Dann gründete er eine Rechts- und Versi- cherungsagentur in Vaduz. Ab 1925 hatte er die Repräsentanz der «Zürich-Versicherungen» inne. Nach dem erneuten politischen Umschwung 1928 bekleidete Josef Ospelt zumeist über mehrere Man- datsperioden verschiedene bedeutende öffentliche Ämter und engagierte sich stark in sozialen und kulturellen Belangen. Er gehörte zu den Grün- dungsmitgliedern des Historischen Vereins, den er 1928 bis 1955 als Vorsitzender leitete. Viele Jahre wirkte er auch im Vorstand der Vaduzer Winzerge- nossenschaft. Josef Ospelt starb am 1. Juni 1962 im 82. Lebensjahr. 
IN ÖFFENTLICHEN ÄMTERN In Josef Ospelts kurze Amtszeit als Landesverweser und Regierungschef fiel der Erlass der neuen Lan- desverfassung von 1921, die seine Unterschrift trägt. Er war als Mitglied der vorberatenden Kom- mission an der Ausarbeitung der Verfassung betei- ligt und führte insbesondere die Verhandlungen mit dem Bischof von Chur über die Regelung des Verhältnisses von Kirche und Staat, dessen Ausge- staltung in Einzelheiten nicht unerhebliche Schwie- rigkeiten bereitete. Von 1928 bis 1932 war Josef Ospelt Landtagsabgeordneter. 1928 wurde er Prä- sident des Verwaltungsrates der Sparkassa für das Fürstentum Liechtenstein, der Vorläuferin der heu- tigen Landesbank. Er bekleidete diese Funktion bis 1953. Danach wirkte er bis 1957 für dieses Bankin- stitut als Präsident des Aufsichtsrats. 1930 wurde er Präsident des neu errichteten Staatsgerichtsho- fes. Dieses hohe Staatsamt hatte er bis 1955 inne. Für sein öffentliches Wirken wurde Josef Ospelt von Fürst Franz I. 1937 das Komturkreuz des liechtensteinischen Verdienstordens verliehen. SOZIALES UND KULTURELLES ENGAGEMENT Josef Ospelt war einer der Initianten des 1923 ge- gründeten liechtensteinischen Caritasvereins und bis 1960 als Kassier und Verwalter auch dessen treibende Kraft. Die Gründung des Liechtensteiner Volksvereins im Jahre 1924 war ebenfalls wesent- lich sein Verdienst. Diese erste katholische Er- wachsenenbildungseinrichtung in Liechtenstein stand bis anfangs der 1940er Jahre unter seiner Leitung. 1960 zeichnete Papst Johannes XXIII. sein Wirken im Caritasverein mit der Goldenen Ver- dienstmedaille «Bene Merente» aus. 177
        

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