statt-Zeit, La-Tene-Zeit und Römerzeit. Damit war erstmals eindeutig der Nachweis der Siedlungskon- tinuität auf Gutenberg von der Bronzezeit bis zur Römerzeit erbracht.482 Mit dieser Grabung hatte die systematische ur- geschichtliche Erforschung Liechtensteins begon- nen. Der Vereinsvorstand entschied sich für weite- re Ausgrabungen in den Jahren 1931 bis 1934. Die Jahresversammlung des Vereins für 1932 fand am 18. September auf der Burg Gutenberg statt. Nach einer von Egon Rheinberger geführten Besichti- gung der Ausgrabungsstellen hielt Eugen Nipp im Schloss-Saal einen Vortrag über die Frühgeschichte Liechtensteins.483 Anlässlich der Ausschuss-Sitzung vom 12. April 1933 auf Gutenberg wurde in Anwe- senheit Gero von Merharts festgestellt, dass bei die- sen Ausgrabungen «die ganze prähistorische Kul- turgeschichte Liechtensteins vorhanden sei» und «das gemachte Fundgut rangiere mit den grossen Fundplätzen in Südtirol».484 Egon Rheinbergers Söhne hatten nämlich im Dezember 1932 an der Südostflanke des Burg- hügels neun Bronzefiguren gefunden - sieben menschliche Darstellungen, einen Hirsch und ei- nen Eber. Es war dies ein sensationeller Fund von überregionaler Bedeutung. Professor Gero von Merhart deutete die Gutenberg-Figuren als Votiv- gaben.485 Der Historische Verein liess später Bron- zeabgüsse von drei Figuren erstellen: vom soge- nannten «Mars von Gutenberg», dem Eber und dem Hirsch.48*' So wurden diese Gutenberg-Figuren sehr populär, und der Historische Verein wurde ge- rade auch mit diesem Fundgut identifiziert: Der Eber erschien 1976 auf einer Briefmarke zum 75-jährigen Jubiläum des Historischen Vereins, währenddem der «Mars von Gutenberg» eine Briefmarke zum 100-Jahr-Jubiläum des Vereins im Jahr 2001 ziert. Ein weiterer spektakulärer Fund wurde 1934 von Peter Rheinberger gemacht: Er fand eine Anzahl Scherben der sogenannten «Rössener Kul- tur», die sich zu einem Topf ergänzen liessen. Gu- tenberg wurde damit zu dem am weitesten im Süden gelegenen Fundplatz dieser Kultur aus dem frühen Neolithikum.487 
Kurz darauf wurden auch auf dem Eschnerberg im Liechtensteiner Unterland interessante Funde gemacht. Der Eschnerberg bildet eine 7,5 Kilome- ter lange, drei Kilometer breite und bis 698 Meter über Meer sich erhebende hohe Rippenlandschaft, die von Südwesten nach Nordosten verläuft. So- wohl auf dem Eschnerberg wie auch auf dem Burg- hügel Gutenberg - beides sind sogenannte «Insel- berge» im Rheintal - konnten frühgeschichtliche Siedlungsplätze nachgewiesen werden. Bereits an der Jahresversammlung des Historischen Vereins von 1934 wurde die Feststellung gemacht, die Fun- de von Gutenberg stünden in einem Zusammen- hang mit dem Fundgut am Eschnerberg.488 Am 14. April 1934 führte der Vereinsvorstand eine Besichtigung der prähistorischen Siedlungs- plätze auf dem «Malanser» und dem «Lutzengüet- le» durch.48'' Daran nahmen auch Professor Oswald Menghin aus Wien, der Vorarlberger Landesar- chivar Viktor Kleiner sowie Konservator Adolf Hild teil.4'"1 Nachdem Waldhirt Rudolf Hasler auf Scherbenfunde beim «Borscht» hingewiesen hatte, wurde dieser Siedlungsplatz ebenfalls besichtigt. Professor Oswald Menghin vertrat die Ansicht, dass auf dem «Borscht» eine umfangreiche prähis- torische Wallburg stand, was von ihm als «sehr lehrreich, ein direktes Schulbeispiel» bezeichnet wurde. Folglich würden sich Ausgrabungen auf dem «Borscht» lohnen. Hans Rheinberger fertigte Skizzen von dieser Wallburg an und Waldhirt Rudolf Hasler wurde beauftragt, die Kuppen des Eschnerbergs abzusuchen.4'" BORSCHT: BRONZEZEITLICHER SIEDLUNGSPLATZ Bereits im Frühjahr 1935 fand auf dem «Borscht» eine erste Sondiergrabung statt. Diese von Egon und Peter Rheinberger durchgeführte Grabung be- stätigte die jungsteinzeitliche, bronze- und eisen- zeitliche Besiedlung. Anlässlich ihrer Jahrestagung vom 7. und 8. September 1935 in Liechtenstein besuchte die Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte auch die Ausgrabungen auf 108
        

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