Ordentlicher Landtag vom »0. Mai 186» bis 14. März!8«4. Am 30. V. 1863 wurde im Sinne der Verfassung der ordent- liche Landtag für das Jahr 1863 zusammenberufen. Das frühere Landtagsbureau wurde wieder gewählt. In der Sitzung vom 30. VI. 1863 besprach der Regierungs- Chef die Liste der vorbereiteten Regierungsvorlagen. Der Land- tagspräsident schilderte die verfassungsmäßigen Aufgaben des Land- tages. „Die Beschlüsse des Landtages sollen der möglichst reine Ausdruck der Mehrheit desselben sein. Dazu sei es notwendig, daß die Ueberzeugungen in den Verhandlungen ungehemmt ausge- - sprachen werden können. Es sei demnach die Zeit da, das freie Wort sprechen und ertragen zu lernen. Er werde dasselbe bis an die Grenzen des Zulässigen schützen und setze voraus, daß die Abgeordneten in ihren Aeußerungen von ihrem Rechtsgefühle und dem Bewußtsein ihrer persönlichen 
Würde sich leiten lassen und bei der Sache bleiben- werden. Die Grenzen, welche die Verfassung zwischen den Rechten des Souveräns und denen, welche wir im Namen des Volkes vertreten, aufrichtet, sollen uns heilig sein. Nur dadurch, daß wir die gegenüberstehenden Rechte sorgsam achten, seien wir in derLage,dieRechtedesVolkeswirksamzu wahren." In der Sitzung vom 10. VII. 1863 beschloß der Landtag eine Adresse an den Lan.desfürsten. Bezüglich auswärtiger Politik heißt es darin: „Wir wünschen, daß durch den Anschluß Oesterreichs an den deutschen Zollverein auch dem Fürstenthume die Früchte einer großen deutschen Zvllcinigung zu Theil werden mögen. Wir hegen ferner die ver- trauensvolle Erwartung, daß Eurer Durchlaucht Regierung die Reform der deutschen Bundcsverfassung nach Kräften unterstützen und fordern werde." Die Berathung dieses Abschnittes der Adresse bietet manches Interessante, weil daraus die damalige Ansicht des Landtages in Bezug auf die deutsche Frage erkenntlich ist. Der Abg. Land- richter Keßler begründete im Kommissionsberichte den betreffenden Passus der Adresse mit dem Hinweise auf die zwei großen Fragen, welche ganz Deutschland bewegen und einer baldigen Lösung ent- gegen gehen, nämlich: Die Erneuerung des deutschen Zollvereins unter Beitritt Oesterreichs und die Reform der deutschen Bundes- verfassung. Das Fürstenthum sei zwar in diesen großen nationalen
        

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