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- Außerordentlicher Landtag vom Iv. Dezember I8SS bis 28. April »8«». Am 10. Dezember traten die Abgeordneten zum ersten Male zusammen. Nach der Prüfung der Wahlakten schritt man zur Bestellung des Landtagsbureau. Als Landtagspräsident wurde gewählt D^- Carl Schädler, als Vizepräsident Pfarrer Erni; als Sekretäre Pfarrer Gmelch und Reallehrer Fischer. Am 29. XII. 1862 fand nach vorausgegangenem Gottes- dienste die feierliche Eröffnung des Landtages statt. Landesverweser v.'Hausen begrüßte die Versammlung. Er erklärte, daß die Regierung durch die neue Verfassung zu ihrer eigenen Genugthuung in die Lage versetzt sei, ihre Wirksamkeit öffentlich darzulegen und über ihr Gebühren im Staatshaushalte gegenüber dem Landtage Nachweise zu liefern; den Abgeordneten werde aber andererseits die Gelegenheit geboten, ihre vielseitigen Erfahrungen zur Unterstützung der Regierung und zum Nutzen« des Landes in ersprießlichster Weise anzuwenden. Der Landtagspräsident D^ Carl Schädler hielt hierauf eine begeisterte Patriotische Ansprache, in welcher er den Dankgefühlen gegenüber dem Landesfürsten Ausdruck verleiht und das Werk des lebendigen Aufbaues unserer Staatsgemeinde auf der Grundlage der durch die Verfassung ge- währten gesetzlichen Freiheit schildert. In der Entwicklung dieses Freiheitsprinzipes, sagt er, werden unsere Gemeinden möglichst selbstständig gestellt und in ihrer Verwaltung so organisiert, daß sie fähig sind, ihren Haushalt selbstständig nach ihrer besten Einsicht zu ordnen und möglichst zu heben. Der Grundbesitz, von den Naturalabgaben und den Grundlasten befreit, wird erfreulicher und rentabler werden. Der Schulunterricht wird um so eifriger gesucht und getrieben werden, als nach der neuen Staatsorganisation das Bedürfnis zur geistigen Ausbildung größer und die Nachfrage nach Intelligenz stärker sein wird. Das Recht des freien Wortes, Gewerbefreiheit, Freizügigkeit und das Recht, Vereine zu bilden, werden jene organische Ausgestaltung erfahren, die zur Entfaltung ihrer wohlthätigen Wirkungen notwendig sind ... So wird es uns allmcihlig gelingen, den geistigen und materiellen Zustand unseres Landes zu heben und aus dem Unterthanen desselben einen seiner Freiheit und seiner Rechte bewußten, auf die Institutionen
        

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