- 109 — Sparkasse allgemein zugänglicher gemacht und mit einem größeren Betriebskapital versehen 
werden müsse. Das 
neue Gesetz suchte dies zu erreichen, indem es die Möglichkeit bot, auch Darlehen gegen Bürgschaft und Faustpfänder ohne die Verumständungen der alten Statuten aufzunehmen, und der Sparkasse das Recht einräumte, nöthigensalls unverzinsliche Vorschüsse aus der Landes- kasse bis zum Betrage von 2000 fl. zu nehmen. Immerhin finden sich in dem Gesetze mehrere Beschränkungen, die aus den damaligen Verhältnissen zu erklären sind und in späteren Zeiten entsprechen- den Aenderungen weichen mußten. So konnten z. B. Kreditdar- lehen gegen annehmbare Bürgschaft nur bis zur Höhe von 100 fl. behoben werden, größere Darlehensbeträge bedurften der grund- buchämtlichen Sicherstellung gegen doppeltes Pfand. Die Höhe der Einlagen wurde auf den Betrag von 1000 fl. beschränkt, weil die Sparkasse mit der Anlegung oder Kündigung allzugroßer Einlagen zeitweilig in Verlegenheit kommen könne. Im Kommissionsberichte wird erwähnt, daß Ende 1863 die Ein- lagen der seit 11. XI. 1861 bestehenden Sparkasse 15,000 fl. be- trage, was für unsere Bevölkerung ein rühmliches Zeugnis sei. Die Zinsspannung betrug 1<>/o, d. h. die Darlehen — waren es nun Kreditdarlehen oder Hypothekardarlehen — mußten 5"/«) Zins zahlen, während die Kasse den Einlegern 4^/o gewährte. Wie aus diesen Daten ersichtlich ist, waren dies recht kleine Anfänge und ein Zeichen gedrückter ökonomischer Zustände. Dessenungeachtet schreibt der Abgeordnete Landrichter Keßler in dem diesbezüg- lichen Kommissionsberichte in richtiger Vorahnung der kommenden Entwicklung: Das fernere Gedeihen der l. Sparkasse sei gesichert und dieselbe habe alle Aussicht, unter dem Einflüsse des neuen Ge- setzes eines der wohlthätigsten Institute im Lande zu werden. Diese scheinbar optimistische Auffassung war dennoch' zutreffend und grün- dete sich auf eine richtige Erkenntnis der früheren traurige« Geld- uud Kreditverhältnisse unseres Landes, welches zu Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts unverhältnismäßig große Lasten zu tragen hatte. Die Kriegserlittenheiten, welche dies kleine Land von 1794' bi? 1802 zu überstehen hatte, erforderten, wie Kaiser in seiner Geschichte des Fürftenthums Liechtenstein an- führt, nach amtlicher Schätzung nahezu eine Million Gulden. Das Land'war dadurch nahe dem ökonomischen Ruin, der Credit schwand
        

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