Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
36
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_36/63/
   
  
Thomas Bruha/ Katja Gey-Ritter 
IV. Schlußbetrachtung: Zukunft des Kleinstaates 
Das Fürstentum Liechtenstein ist ein Staat mit vielen Besonderheiten: 
Seine Kleinheit, seine duale Wirtschaftsstruktur (Dienstleistungen und 
Industrie), seine doppelte Integration in den schweizerischen und den 
europäischen Binnenmarkt, und vieles mehr!» lassen einen Vergleich mit 
anderen Staaten nicht ohne weiteres zu. Das dem gegenwärtigen Staats- 
oberhaupt Fürst Hans-Adam II. zugeschriebene Bonmot „Liechtenstein 
ist ein europäischer Staat wie jeder andere auch — nur sehr viel kleiner“!* 
enthält ein „Körnchen Wahrheit“, ist amüsant, lenkt aber doch sehr von 
den Spezifika des Landes und seiner Einbindung in die Umwelt ab. 
Andererseits wäre es aber auch verfehlt, Liechtenstein in seinen Integra- 
tionsbeziehungen als einen bloßen Sonderfall abzutun. Es ist dies ebenso- 
wenig wie es Modellfall für andere Staaten und Staatenbeziehungen sein 
kann und will. Allenfalls können einzelne Aspekte auf ihre Übertragbar- 
keit in Erwägung gezogen werden, wobei jedoch Vorsicht angebracht ist. 
Insbesondere die Beibehaltung einer Zoll- und Währungsunion mit einem 
Nicht-EWR-Staat ohne Binnengrenzkontrolle dürfte sich kaum in größe- 
ren Staaten verwirklichen lassen134, 
Was Liechtenstein in seinen Integrationsbeziehungen aber sein kann, ist 
ein Beispielsfall für die großen Partizipationschancen, die das internatio- 
nale System und das Völkerrecht kleinen Staaten gegenwärtig bieten. Die 
Zeiten der Mikrostaaten-Debatte!35 sind vorbei. Das Vôlkerrecht hat den 
Staatsbegriff so zu definieren, daß er alle vorhandenen Staaten umfaßt126. 
Sowohl im universellen Rahmen der Vereinten Nationen und der WTO 
wie auch im Rahmen regionaler Integration räumen das Völker- und 
Integrationsrecht auch den kleinsten Staaten Mitwirkungsmöglichkeiten 
ein. Dabei hat Liechtenstein durchaus eine gewisse Vorreiterrolle gespielt. 
Unter den kleinsten der kleinen Staaten Europas war es das erste Land, 
das dem Europarat und der UNO beigetreten ıst!”. Andere wie Andorra, 
Monaco und San Marino folgten. Beispiellos ist dagegen noch die 
Mitgliedschaft im EWR und in der WTO, um nur die wichtigsten 
Stationen liechtensteinischer Integrationspolitik zu nennen. 
132 Zu den Besonderheiten des politischen Systems Liechtensteins (Monarchie, Parlamen- 
tarismus, plebiszitäre Demokratie) Waschkuhn (Anm. 6) sowie Batliner (in diesem Heft). 
133 Zitiert bei Unser (Anm. 12), S. 163. 
134 Siehe aber auch Nell (Anm. 31), S. 121, der diesbezügliche Überlegungen im Hinblick 
auf die anstehende EU-Erweiterung anstellt (u.a. Zypern); anders Sieglinde Gstöhl, 
Successfully Squaring the Circle: Liechtenstein’s Membership of the Swiss and European 
Economic Area, ın M. Hösli/A. Saether (Hrsg.), Free Trade Agreements and Customs 
Unions: Experiences, Challenges and Constraints, 1997, S. 163 ff. 
135 Siehe für das UNO-System die UNITAR-Studie ,Small States & Territories. Status and 
Problems“, 1971. 
136 Albert Bleckmann, Allgemeine Staats- und Vôlkerrechtslehre, 1995, S. 42. 
137 Siehe Unser (Anm. 12) sowie Markus R. Seiler, Liechtensteins Weg in den Europarat, 
Liechtensteinische Juristenzeitung 1994, S. 5 ff. 
  
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
   
   
  
  
  
  
   
    
    
        

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