Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
36
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_36/51/
   
  
Thomas Bruha/Katja Gey-Ritter 
2. Erwerb der GATT- und WTO-Mitgliedschaft 
Mit Blick auf die Verhandlungen der Uruguay-Runde, welche 1986 
begonnen hatten und neben einer nstitarisnellen Stärkung des GATT ins- 
besondere die Ausdehnung der Grundprinzipien des Allgemeinen Ab- 
kommens auf neue Bereiche wie Dienstleistungen, Investitionen und den 
Schutz geistiger Eigentumsrechte zum Ziel hatten, mußte das liechtenstei- 
nische Verhältnis zum GATT überdacht Werden Es war offensichtlich, 
daß der Abschluß der Uruguay-Runde auch für die liechtensteinische 
Wirtschaft und insbesondere für die vollständig exportabhängige liechten- 
steinische Industrie® von erheblicher Bedeutung 4 ım Hinblick auf Markt- 
zutrittschancen und Rechtssicherheit im Internationalen Wirtschaftsver- 
kehr sein würde. Gerade für sehr kleine Handelsnationen ist die Abwick- 
lung der Welthandelsbeziehungen auf der Grundlage klarer und durch- 
setzbarer multilateraler Regeln wichtig. Mit den Abkommen der 
Uruguay-Runde sollten nicht nur das Regelwerk an sich und seine Trans- 
parenz verbessert, sondern insbesondere die Durchsetzung der Regeln 
durch ein wirksames Streitbeilegungsverfahren sichergestellt werden. Daß 
Liechtenstein von diesen Entwicklungen profitieren und sie daher mit tra- 
gen wollte, war von Beginn an mehr Oder weniger unbestritten. Die Frage 
war nur, ob Liechtenstein das gegenwärtige Modell der indirekten 
Teilnahme via Schweiz dazu aufrechterhalten konnte oder wollte. 
Schon aus souveränitätspolitischen Gründen strebte Liechtenstein eine 
selbständige, nicht durch die Schweiz vermittelte Mitgliedschaft beim 
GATT an (parallel zu der im Rahmen der europäischen Integration 
erreichten Sel bständigkeit). Daneben sprachen gewichtige wireschafel liche 
Überlegungen für eine eigene GATT- Mitgliedschaft Tiechtensteins. Wie 
auch in anderen Tudusmelindern hatte sich die liechtensteinische Wirt- 
schaftsstruktur so verändert, daß Bereiche zunehmend an Wichtigkeit 
gewannen, die keiner bilateralen Regelung mit der Schweiz Unterlagen. 
Der Handel mit Dienstleistungen (Telekommunikation, freiberufliche 
Dienstleistungen, Finanzdienstleistungen, Baudienstleistungen, Transport 
usw.) nahm im Vergleich zu Industrie- und Agrarprodukten im Welt- 
handel einen immer größeren Anteil ein und war gleichzeitig auch der 
Wirtschaftsbereich, in welchem es auf weltweiter Ebene keine Regeln gab. 
Da die schweizernisch- liechtensteinische Zollunion grundsätzlich. nur sauf 
den Warenverkehr Anwendung findet und sich zudem die liechtensteini- 
schen Interessen im Dienstleistungssektor nicht unbedingt mit jenen der 
Schweiz decken, drängte sich im Verlauf der Uruguay-Runde eine akti- 
vere Rolle Liechtensteins auf. Allerdings konnte es als Nichtmitglied des 
GATT nicht direkt an den Verhandlungen der Uruguay-Runde teil- 
nehmen. 1992 ersuchte die liechtensteinische Regierung den Schweizer 
Bundesrat daher, die Interessen des Landes in den Verhandlungen zu ver- 
88 Von den insgesamt über 21.000 Arbeitsplätzen in Liechtenstein entfallen fast 50 Prozent 
auf den zweiten Sektor. Siehe Statistisches Jahrbuch 1996, S. 90. 
  
    
  
  
  
  
  
  
  
  
     
    
    
  
   
   
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   
  
    
    
        

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