Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
36
Erscheinungsjahr:
1998
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_36/34/
Kleinstaat und Integration 157 
Der Wechsel zur Schweiz ließ nicht lange auf sich warten. Schon im Jahr 
der Kündigung der Verträge mit Österreich ersuchte Liechtenstein die 
Schweiz um die Wahrnehmung seiner Interessen im Ausland. Erste 
Kontakte mit Blick auf einen künftigen Zollvertrag wurden zu Beginn des 
Jahres 1920 aufgenommen. Während der „vertragslosen“ Zeit drohten 
dem zwischen zwei Zollgrenzen eingeengten Liechtenstein die zollpoliti- 
sche und wirtschaftliche Isolation. Auch war es deutlich mit dem Aufbau 
der erforderlichen administrativen und rechtlichen Strukturen überfor- 
dert. Hinzu kam das Scheitern eines ungenügend vorbereiteten Versuchs, 
auf multilateraler Ebene Fuß zu fassen. Das schon durch den künftigen 
Zollvertragspartner Schweiz im Juli 1920 eingereichte Gesuch um 
Aufnahme des Fürstentums in den Völkerbund wurde von der Völker- 
bundsversammlung einhellig abgelehnt (nur die Schweiz stimmte dafür). 
Der entscheidende Bericht kam zu dem Ergebnis, „daß Liechtenstein 
nicht imstande ist, alle internationalen Verpflichtungen zu übernehmen, 
die ihm auf Grund der Völkerbundssatzung zukämen“'. Die Hinwen- 
dung zur Schweiz war unter den gegebenen Umständen die einzige 
Alternative zur bisherigen Zollunion mit Österreich (bzw. Österreich- 
Ungarn). Ein erster, kleinerer Schritt wurde mit der Unterzeichnung eines 
Postvertrages am 10. November 1920" getan; ein zweiter, größerer mit 
der am 23. März 1923 erfolgten Unterzeichnung des „Vertrages über den 
Anschluf des Fürstentums Liechtenstein an das schweizerische Zoll- 
gebiet“ (im folgenden Zollvertrag)"*. 
Der Zollvertrag, obwohl verschiedentlich geändert und durch weitere 
Vereinbarungen ergänzt!5, ist bis heute die maßgebliche Rechtsgrundlage 
für das bilaterale Verhältnis des Fürstentums zur Schweiz. Über seine völ- 
kervertragliche und konstitutionelle Wirkung hinaus wird ihm ım beider- 
seitigen Verhältnis eine geradezu symbolische Bedeutung für die 
Fortexistenz der besonders engen Nachbarschaftsbeziehungen zwischen 
beiden Ländern beigemessen!6. Das ist vor allem vor dem Hintergrund der 
unterschiedlichen integrationspolitischen Entscheidungen der Vertrags- 
partner in Sachen europäischer Integration zu sehen (dazu unten, 3.). In 
12 Siehe Günther Unser, Liechtenstein: rühriger Fürst, zögerndes Volk. Der Weg eines 
europäischen Kleinstaats in die Vereinten Nationen, Vereinte Nationen 1990, S. 163 ff., 164. 
13 LGBL 1922, Nr. 8. 
14 Anm. 5. Siehe dazu Otto Seger, Fünfzig Jahre Zollvertrag Schweiz-Liechtenstein, 
Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein Bd. 73, 1979. 
15 Insbesondere Währungsvertrag (1980), Postvertrag (1978), Abkommen über fremden- 
polizeiliche Fragen (1963, 1993), Patentschutz (1978), u.a. Siehe Markus Büchel, Die beson- 
deren Beziehungen der Schweiz mit dem Fürstentum Liechtenstein, in À. R:klin #.a. (Hrsg.), 
Neues Handbuch der schweizerischen Außenpolitik, 1992, S. 1079 ff. 
16 Nachdem zuletzt am 70. Jahrestag seiner Unterzeichnung eine Art Festschrift erschien 
(70 Jahre Zollvertrag Schweiz — Fürstentum Liechtenstein, 1924 — 1994, Beilage zur 
Zollrundschau. Fachzeitschrift der Eidgenössischen Zollverwaltung Heft 4 von 1994), soll in 
diesem Jahr bereits eine weitere zum 75. Jahrestag erscheinen (Hochschule St. Gallen). 
 
        

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