Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/7/
  
Schweizerische Spuren im liechtensteinischen Treuhandrecht 
mung mit beschränkter Haftung (Art. 834—-896a PGR) Bestandteil des 
16. Titels. Sie fiel jedoch der Gesellschaftsreform 1980 zum Opfer und zählt 
seitdem nicht mehr zum geltenden liechtensteinischen Recht. 
Ergänzend überlagert wird das Recht der Treuhänderschaft durch das 
ebenfalls im 16. Titel geregelte, allerdings erst 1928 in Kraft getretene Treu- 
unternehmensgesetz (TrUG). Das TrUG ist der Treuhänderschaft durch 
Art. 932a PGR angefügt und beschlägt insgesamt 170 Paragraphen. Die Be- 
stimmungen des TrUG sind gemäss Art. 910 Abs. 5 PGR auf das Recht der 
Treuhänderschaft ergänzend anzuwenden, soweit sich «aus dem Betriebe 
eines nach kaufmännischer Art geführten Gewerbes oder aus dem Eintrage im 
Treuhandregister nichts anderes ergibt»*°. Das Treuunternehmen ist im Ge- 
setz als rechtlich verselbständigtes mit eigenem Vermögen bewidmetes Un- 
ternehmen ohne Persönlichkeit ausgestaltet ($ 1 Abs. 1 TrUG). Aber auch die 
Errichtung eines Treuunternehmens mit Persönlichkeit (sog. «uneigentliches 
Treuunternehmen») ist möglich ($ 1 Abs. 2 TrUG). 
Die Redaktion des PGR lag weitestgehend in den Händen zweier Perso- 
nen: WILHELM BEck und EMIL BecK?7. WILHELM BEckK (1885-1936) war 
Rechtsanwalt in Vaduz und zur Zeit der Erlassung des PGR nicht nur Präsi- 
dent des liechtensteinischen Landtags, sondern auch einflussreichster liech- 
tensteinischer Politiker. Seine Christlich-soziale Volkspartei stellte zwischen 
1922 und 1928 im liechtensteinischen Landtag die Mehrheit. EMIL BECK 
(1888-1973) war schweizerisch-liechtensteinischer Doppelstaatsbiirger und 
von 1919 bis 1933 fürstlicher Geschäftsträger in Bern. Beide Gesetzesredak- 
toren hatten in der Schweiz Rechtswissenschaften studiert, WILHELM BECK 
in Zürich, EmiL Beck in Bern. In diesem Zusammenhang mag für den 
schweizerischen Leser vielleicht von Interesse sein, dass sich der später an 
der Universität Bern lehrende Emi. Beck 1918 bei EUGEN HUBER habili- 
tiert? hatte und diesem zuvor als Sekretär bei den Arbeiten zur Revision der 
Titel 24-33 OR zur Seite gestanden war”. Gerade diese Lehrzeit beim 
Schôpfer des schweizerischen Zivilgesetzbuchs wird EMiL BEck bei der Re- 
daktion des PGR in besonderem Masse zugute gekommen sein. 
26 Die Abstimmung zwischen dem Recht der Treuhänderschaft und dem TrUG lässt erheblich 
zu wünschen übrig und gibt immer wieder Anlass zu Auslegungsproblemen; dazu weiterfüh- 
rend BöscH (Fn. 6) 52 ff., 75 ff. 
27 Vgl. Liechtensteinisches Landtagsprotokoll über die Sitzung vom 4.11.1925, S. 14. 
28 Thema der Habilitationsschrift Emil Becks war die Gläubigergemeinschaft bei Anleihens- 
obligationen. 
29 Siehe Vorbemerkung zu EuGEN Husers Bericht über die Revision der Titel 24-33 des 
schweizerischen Obligationenrechts (1920). 
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