Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/38/
    
    
Harald Bösch 
händers gem. Art. 897 ff. PGR überhaupt stützen will. Angesichts der zahl- 
reichen, dieser These entgegenstehenden Gesetzesmerkmale allein aus 
Art. 917 Abs. 1 PGR?'> ableiten zu wollen, die liechtensteinische Treuhänder- 
schaft gründe auf der Theorie vom resolutiv bedingten Eigentumsübertra- 
gung, ist mehr als gewagt. Die blosse Bezugnahme auf SCHULTZE*!® kann 
diese methodische Unzulänglichkeit nicht beseitigen, zumal die Treuhänder- 
schaft mit resolutiv bedingtem Eigentum selbst nach SCHULTZE nur eine von 
mehreren Formen der «deutschen Treuhänderschaft» darstellt. Die von 
SCHULTZE gleichermassen dargestellte Treuhänderschaft mit begrenztem 
dinglichem Recht an fremder Sache ist im liechtensteinischen Gesetz — im 
Gegensatz zur Treuhänderschaft mit auflösend bedingtem Vollrecht — aus- 
drücklich erwähnt, ein Aspekt, der für MoosMANN offenbar keine Rolle zu 
spielen scheint. Seine argumentative Auseinandersetzung mit den seiner 
These widersprechenden Gesetzesmerkmalen erschöpft sich denn auch weit- 
gehend in der lapidaren Feststellung, keine der beiden Lehrmeinungen?!” 
könne richtig überzeugen. 
Die auffallende Zurückhaltung MoosMANNS, die seiner These entgegen- 
stehenden gesetzlichen Kriterien näher zu erôrtern, überrascht letztlich nicht, 
denn der liechtensteinischen Treuhänderschaft liegt die Theorie des resolutiv 
bedingten Eigentums schlechterdings nicht zu Grunde. Wäre dem so gewe- 
sen, so hätte sich hierzu zumindest in ihrem wohl wichtigsten Anwendungs- 
fall, nämlich bei der treuwidrigen Verfügung des Treuhänders über das Treu- 
gut irgendein gesetzlicher Hinweis finden müssen. Von einem resolutiv 
bedingten Rückfall an den Treugeber oder die Begünstigten ist in Art. 912 
Abs. 3 PGR jedoch nicht die geringste Rede. Das Gesetz sieht hier vielmehr 
einen Herausgabe- oder Bereicherungsanspruch zu Gunsten des Treuhand- 
vermôgens vor, zu dessen Geltendmachung u. a. der Treugeber, ein Mittreu- 
händer oder ein Begünstigter legitimiert sind. 
Anhand des Art. 912 Abs. 3 PGR zeigt sich schliesslich auch die prakti- 
sche Unbrauchbarkeit eines resolutiv bedingten Eigentumserwerbs bei der 
liechtensteinischen Treuhänderschaft. MoosMANN zufolge soll bei der liech- 
tensteinischen Treuhänderschaft zwar das Eigentum auf den Treuhänder 
215 Art.917 Abs. 1 PGR: «Der Treugeber ist berechtigt, durch Treuhandvertrag, Treuhandbrief, 
Testament oder Statut beliebige Teile seines Vermögens unter die Treuhand eines von ihm 
bezeichneten Treuhänders zu stellen und darin, vorbehaltlich der zwingenden Bestimmungen 
des Gesetzes, die Bedingungen des Treuhandverhältnisses näher zu umschreiben, insbeson- 
dere kann er Verfügungen treffen, wodurch das Treugut unter gewissen Bedingungen oder 
nach einem gewissen Zeitabschnitt an ihn zurückfallen oder an seine Rechtsnachfolger oder 
an Dritte wie beispielsweise an Stiftungen oder Anstalten anfallen soll.» 
216 Siehe MoosMANN a. a. O. 186. 
217 Gemeint sind die Lehrmeinungen von BIEDERMANN (Fn. 12) und BôscH (Fn. 6). MoosMANN 
setzt sich jedoch nur mit den Thesen BIEDERMANNS ausführlich auseinander.
        

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