Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/36/
    
    
Harald Bösch 
Gesetzgeber selbst vorgenommene Qualifikation der Treuhänderstellung 
(Selbstberechtigter mit dinglichem Verwaltungsrecht) unerheblich sein soll. 
Dieses Manko wiegt methodisch umso schwerer, als es sich beim dingli- 
chen Verwaltungsrecht des Treuhänders ja nicht etwa um eine unerklärliche 
Fantasiebezeichnung des liechtensteinischen Gesetzgebers handelt, sondern 
um einen zur Zeit der Erlassung des PGR durchaus gefestigten Rechtsbe- 
griff?®*, Gleiches gilt für die weitere Qualifikation des Treuhänders als «selb- 
ständigen Rechtsträger», der das Treugut «mit Wirkung gegen jedermann zu 
verwalten oder zu verwenden» hat (Art. 897 PGR), mit der MoosMANN nur 
wenig anzufangen wusste”, Dabei bilden gerade der «selbständige Rechts- 
träger» und die erga-omnes-Wirkung des treuhänderischen Verwaltungs- und 
Verfügungsrechts («mit Wirkung gegen jedermann») rechtsbegrifflich die 
entsprechenden Pendants zum dinglichen Verwaltungsrecht. Auf beide ge- 
setzlichen Merkmale wird in MoosMmANnsNs Arbeit allenfalls kursorisch einge- 
gangen. 
Der mutmassliche Grund für diese Defizite scheint schnell gefunden. Auf- 
bauend auf den Ergebnissen der Untersuchung des Verfassers?% hat Moos- 
MANN Zwar die Tragweite des Einflusses der deutschrechtlichen Treuhand- 
doktrin auf die Kodifikation der liechtensteinischen Treuhänderschaft 
erkannt, sich bei der dogmatischen Aufarbeitung dieser Doktrin auf halbem 
Wege aber wieder ausgeblendet. Dies legt bereits seine Auseinandersetzung 
mit den Thesen SCcCHULTZES nahe, die sich im Wesentlichen auf die bei 
SCHULTZE dargestellte Variante der «Treuhänderschaft mit auflösend beding- 
tem, befristetem Vollrecht (Eigenthum)» beschränkt?”. Der zweite von 
SCHULTZE ebenfalls sehr einlässlich behandelte Fall einer Treuhänderschaft 
im geltenden bürgerlichen Recht, die «Treuhänderschaft mit begrenztem 
Recht an fremdem Gegenstand», wird von MoosMANN mit einem einzigen 
Satz abgetan”®®, Insofern krankt seine Darstellung an einer einseitigen Be- 
trachtungsweise, die der gesetzlichen Rechtsstellung des liechtensteinischen 
Treuhänders nicht gerecht wird. Dies soll hier anhand einiger Beispiele dar- 
gelegt werden: 
Als Hauptfall einer Treuhänderschaft mit begrenztem dinglichem Recht 
bezeichnet SCHULTZE den Testamentsvollstrecker des BGB?®. Durch das 
204 Entsprechende Nachweise in Fn. 157. 
205 Gleiches gilt im Übrigen auch für die Untersuchung Zo8Ls (Fn. 3). MoosMANNs eigenartige 
Interpretation des «selbständigen Rechtsträgers» (MoosMANN a. a. O. 221) überzeugt über- 
haupt nicht. 
206 BôscH, Die liechtensteinische Treuhänderschaft zwischen Trust und Treuhand, Diss. Inns- 
bruck, in: Schriften zum liechtensteinischen Recht, Bd. 2 (1995) 246 ff. 
207 Siehe MoosMANN (Fn. 187) 176. 
208 MoosMANN (Fn. 187) 177. 
SCHULTZE (Fn. 85) 64.
        

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