Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/29/
  
  
  
  
  
  
  
Schweizerische Spuren im liechtensteinischen Treuhandrecht 
Equity-Rechtsprechung des Court of Chancery in Wirklichkeit nämlich zu 
einem formalen Titel im Sinne eines blossen Herrschaftsrechts degradiert!'®. 
Owners in equity sind die Begünstigten (Beneficiaries) des Trust. Als solche 
können die Trustbegünstigten über ihre Begünstigung (equitable interest) 
grundsätzlich!® wie über einen anderen Vermögenswert frei verfügen. Der 
Beneficiary kann seinen equitable interest abtreten oder verpfänden, darüber 
testamentarisch verfügen oder damit sogar einen sub-frust begründen!’ — al- 
les Kriterien, die sich mit dem angeblichen «Vollrecht» des Trustee ganz und 
gar nicht vertragen. 
Das liechtensteinische Treuhandrecht nimmt hinsichtlich der Rechtsnatur 
des Begünstigtenrechts keine davon konzeptionell abweichende Stellung ein. 
Sosieht Art. 928 Abs. 1 PGR beispielsweise vor, dass «über das Treugut» Treu- 
handzertifikate als Wertpapiere an die Begünstigten ausgegeben werden kön- 
nen, sofern die Treuhandurkunde dies bestimmt. Diese Treuhandzertifikate 
sind mangels anderer Anordnung der Treuhandurkunde «gleich Namensaktien 
übertragbar» (Art. 928 Abs. 3 PGR). Gem. $ 122 Abs. 1 des auf die Treuhän- 
derschaft über die Verweisung des Art. 910 Abs. 5 PGR ergänzend anzuwen- 
denden TrUG ist die Begünstigung, einschliesslich der Anwartschaft, mangels 
anderer Anordnung der Treusatzung «veräusserlich, übertragbar und vererb- 
lich» und kann mit «beschränkten dinglichen Rechten belastet» werden. 
Schliesslich sind die Rechte des Trustee — im Gegensatz zu jenen des 
Fiduziars — auch nicht gerade überschiessend, denn den Begünstigten (Bene- 
ficiaries) eines Trust stehen bei treuwidrigen Verfügungen des Trustee nicht 
165 So sind wohl auch die Ausführungen von SALMOND, Jurisprudence 256 zu verstehen: 
«...The trustee is destitute of any right of beneficial enjoyment of the trust property. His 
ownership, therefore, is a matter of form rather than of substance, and nominal rather than 
real.» (zit. nach CZERMAK, Der express trust im internationalen Privatrecht, Diss. München 
1986, 72). Ähnlich UNDERHILL und HaYTOoNn, Law Relating to Trusts and Trustees, 14% ed. 
(1987) 6, wo im Zusammenhang mit der (persönlichen) Insolvenz des Trustee von einem 
nominal ownership des Trustee gesprochen wird. 
166 Die Bestimmungen der Treuhandurkunde können der freien Verfügbarkeit des equitable inte- 
rest allerdings Grenzen setzen. Das amerikanische Trustrecht ist solchen Grenzen gegenüber 
wesentlich zugänglicher als das englische, was sich insbesondere am Beispiel der mit 
Drittgläubigerinteressen kollidierenden spendthrift trusts (auch: protective trusts) zeigt. Zum 
Ganzen weiterführend bezüglich des amerikanischen Rechts jüngst HALBACH, Significant 
Trends in the Trust Law of the United States, Vanderbilt Journal of Transnational Law (1999) 
541 ff.; bezüglich des englischen Rechts, HAyron, English Fiduciary Standards and Trust 
Law, Vanderbilt Journal of Transnational Law (1999) 590 ff. 
167 Siehe HAYToN und MARSHALL, Commentary and Cases on the Law of Trusts and Equitable 
Remedies, 10' ed. (1996) 12 f.; RippaLL, The Law of Trusts, 5* ed. (1996) 78 ff.; PETTIT, 
Equity and the Law of Trusts, 7 ed. (1993) 16 f.; HANBURY und MARTIN, (Fn. 72) 18 f. Glei- 
ches gilt auch für das amerikanische Trustrecht: «The interest of the beneficiary is inheritable 
and divisable and transferable inter vivos (if not limited by a spendthrift clause); .» 
(BoGERT, Handbook of the Law of Trusts, 5‘* ed. (1973) 136). 
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