Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/28/
    
    
Harald Bösch 
Dem liechtensteinischen Gesetz am besten gerecht wird somit jene An- 
sicht, nach der die Rechtsstellung des Treuhänders gem. Art. 897 ff. PGR die- 
jenige eines über das Treugut Verwaltungs- und Verfügungsberechtigten 
ist!6°. Obwohl der liechtensteinische Treuhänder gem. Art. 897 ff. am Treugut 
kein Eigentum erwirbt, ist er «Rechtsträger» im Sinne des Art. 897 PGR. Bei 
der Ausübung seiner Verwaltungs- und Verfügungsrechte ist der Treuhänder 
gem. Art. 919 Abs. 3 PGR an die ihm in der Treuhandurkunde auferlegten 
Verpflichtungen gebunden. Das Treugut als Sondergut ist für den Treuhänder 
ein nicht in dessen Eigentum stehendes Fremdvermögen!®!. Mit Hilfe dieser 
Konstruktion fiel dem liechtensteinischen Gesetzgeber die angestrebte Um- 
setzung der Aussenwirkungen des Treuhandverhältnisses wesentlich leichter, 
namentlich bei treuwidrigen Verfügungen, bei der Aussonderung im Konkurs 
des Treuhänders oder bei der Zwangsvollstreckung in das Vermögen des 
Treuhänders, denn in all diesen Fällen stand das Treugut nicht wie beim Fi- 
duziar im Eigentum des Treuhänders, sondern stellte für diesen ein Fremd- 
vermögen dar. 
BIEDERMANN!? zufolge soll der Treuhänder indessen sowohl nach engli- 
schem als auch nach liechtensteinischem Treuhandrecht das «Vollrecht» am 
Treugut haben. Diese These ist aber bereits hinsichtlich des englischen 
Rechts angreifbar, denn dort ist, wie bereits ausgeführt wurde, die Rechtszu- 
ständigkeitsfrage hinsichtlich des Treuguts mittels des Dualismus zwischen 
Common Law einerseits und Equity andererseits gelöst worden. Von einem 
«Vollrecht» des Trustee — verstanden als ein Vollrecht im Sinne der fiduzia- 
rischen Treuhand mit der überschiessenden Rechtsmacht des Fiduziars — 
kann im englischen Recht wohl kaum gesprochen werden!®. Der Trustee ist 
nämlich lediglich at (common) law Berechtigter am Treugut und hält als 
solcher nur den legal tifle am Treugut!®**. Das «Eigentum» des Trustee at 
(common) law wurde aufgrund der jahrhundertelangen Einwirkung der 
160 ScHNITZER, Die Treuhand (der Trust) und das Internationale Privatrecht, GedS Marxer (1963) 
53 ff.; DERS., Trust und Stiftung, SIZ 1965, 201; Come, Die Treuhand kraft privaten Rechts- 
geschäfts (1973) 237 ff.; SCHNEIDER, Anstalt und Treuunternehmen des liechtensteinischen 
Rechts als Unternehmensformen für Sitz- und Holdinggesellschaften (1969) 79; BòscH 
(Fn. 6) 249; pErs., Trust und Fiduzia im liechtensteinischen Recht, Jus & News 1997, 35 f. 
161 Vgl. den entsprechenden Hinweis in Art. 915 Abs. 1 PGR. 
162 Der Trust des Common Law und dessen Rezeption in Liechtenstein durch Art. 897 ff. des Per- 
sonen- und Gesellschaftsrechts, LJZ 1981, 16. 
163 In diesem Sinn auch SCHNITZER, Trust und Stiftung, SJZ 1965, 197, der bemerkt, der liech- 
tensteinische Trustee sei ebenso wie der englische Trustee kein Volleigentiimer. A. M. wohl 
MAYER (Fn. 3) 78 u. 88, bei dem jedoch die auf die Unterscheidung zwischen Law und Equity 
zurückzuführende Teilung der Rechte am Treugut zu wenig zum Ausdruck kommt. Es stellt 
sich überhaupt die Frage, ob es beim Trust nicht von vornherein verfehlt ist, von einem «Voll- 
recht» zu sprechen. 
Dazu BôscH (Fn. 6) 144 ff., auch mit Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Trust.
        

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