Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/27/
Schweizerische Spuren im liechtensteinischen Treuhandrecht 
Treuhänders explizit erwähnt. Gemäss Art. 910 Abs. 3 PGR wirkt die über 
grundbuchliche Rechte eingetragene Treuhand gegenüber jedermann, «wäh- 
rend der Treuhänder bei anderen Rechten die Stellung eines Selbstberechtigten 
(dingliches Verwaltungsrecht) hat». Die Aufnahme des Begriffs «dingliches 
Verwaltungsrecht» in das Gesetz ist als dogmatischer Hinweis des liechten- 
steinischen Gesetzgebers zu werten, mit dem die rechtliche Stellung des Treu- 
händers verdeutlicht werden sollte. Demgegenüber soll nach BIEDERMANN 4 
der Begriff des dinglichen Verwaltungsrechts als explikativer Terminus in das 
PGR «hineingerutscht» (sic!) und mit dem «Wesen» der Treuhänderschaft un- 
vereinbar sein. Bei der Lektüre dieser Ausführungen könnte man leicht mei- 
nen, der Begriff «dingliches Verwaltungsrecht» sei gleichsam ohne Wissen 
und Wollen des Gesetzgebers ins Gesetz gelangt. An anderer Stelle wendet sich 
BIEDERMANN mit einer rhetorischen Gegenfrage gegen das dingliche Verwal- 
tungsrecht des Treuhänders gemäss Art. 897 PGR. Es sei, so dieser Autor, nicht 
einzusehen, aus welchem Grund das liechtensteinische Treuhandrecht «aus- 
gerechnet in diesem Punkte vom englischen Vorbild abweichen sollte»! 
Diese Ausführungen BIEDERMANNS lassen sich mit dem Gesetzestext nicht 
vereinbaren. Sie sind auch methodisch nicht haltbar!°°. Es geht nicht an, dem 
Gesetzgeber ohne sachlich fundierte Begründung einfach zu unterstellen, er 
sei sich der Bedeutung seiner Worte nicht im Klaren gewesen. Beim dingli- 
chen Verwaltungsrecht des Treuhänders handelt es sich um einen zur Zeit der 
Erlassung des PGR (1926) dogmatisch bereits etablierten Rechtsbegriff mit 
durchaus gefestigter Bedeutung, was sich anhand der bis 1926 nachweisbaren 
Lehre ohne weiteres belegen lässt!”. Es handelte sich dabei um ein eigenes 
Recht eines Verwalters an fremdem Vermögen‘. Dieses Recht stand kon- 
struktiv im Gegensatz zum Recht des Fiduziars, bei dem allfällige Beschrän- 
kungen nur schuldrechtlich im Innenverhältnis, nicht aber im Aussenverhält- 
nis wirkten!*°. 
154 Der Trust des Common Law und dessen Rezeption in Liechtenstein durch Art. 897 ff. des Per- 
sonen- und Gesellschaftsrechts, LIZ 1981, 16. Dagegen krit. BôscH (Fn. 6) 249 ff. 
155 BIEDERMANN (Fn. 12) 466 Fn. 200. 
156 Dazu ausführlicher BôscH, Trust und Fiduzia im liechtensteinischen Recht, Jus & News 
1997, 24 ff. Anderer Meinung offenbar ZoBL (Fn. 3) 22, der BIEDERMANNS Auslegung für 
«überzeugend» hält. 
157 Statt vieler siehe z.B. SCHULTZE, Treuhänder im geltenden bürgerlichen Recht, JherJB 43 
(1901) 64 ff.; FiscHBACH, Treuhänder und Treuhandgeschäfte nebst Beiträgen zur Lehre vom 
Eigentum, von der Stellvertretung und vom Auftrag (1912) 205 f£.; GERSTLE (Fn. 77) 134 f£.; 
SIBER, Das Verwaltungsrecht an fremdem Vermôgen im deutschen BGB, JherJb 67 (1917) 
92 ff. 
158 Vgl. insb. SIBER, JherJb 67 (1917) 92ff., GERSTLE (Fn.77) (1917) 133ff£.; RAMSEYER 
(Fn. 125) 109 ff. 
159 SiBERr, JherJb 67 (1917) 91. 
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