Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/26/
    
    
Harald Bösch 
nen (Art. 184-189 PGR) sowie an die Regeln über die Treuhänderschaft im 
Allgemeinen (Art. 897 ff. PGR) geregelt!°?. Den Materialien zufolge ist die 
Treumacht in «gewissem Sinne ein Gegensatz zur Vollmacht und zur vollen 
Rechtsmacht»!°. Wenngleich dieser Hinweis des historischen Gesetzgebers 
weder ein Muster an Klarheit darstellt noch für sich allein geeignet ist, zur 
dogmatischen Einordnung der Treumacht Bedeutendes beizutragen, so lässt 
sich ihm doch zumindest eines mit Gewissheit entnehmen, nämlich, dass das 
Recht des Treuhänders (Treumacht) jedenfalls kein Recht darstellt, bei dem 
der Treuhänder — wie bei der fiduziarischen Treuhand — am Treugut (zu vol- 
lem Recht) Eigentum erwirbt. 
Gemäss Art. 919 Abs. 3 PGR ist der Treuhänder unter Vorbehalt seiner 
Verpflichtungen aus der Treuhandurkunde berechtigt, über das Treuhandgut 
gleich einem selbständigen Träger von Rechten und Pflichten, wie namentlich 
ein Eigentümer, Gläubiger, Mitglied oder Organ einer Verbandsperson oder 
Gesellschaft oder dergleichen zu verfügen, für das Treuhandgut vor allen Be- 
hörden und in allen Verfahren im eigenen Namen als Partei, Beteiligter, Bei- 
geladener, Intervenient und dergleichen aufzutreten, die zu ihm gehörigen 
Rechte gegen alle Dritten gemäss der Treuhandurkunde zu verwalten und 
auszuüben und, soweit nötig, zu versilbern und neu anzulegen, wenn es sich 
aus der Treuhandurkunde nicht anders ergibt. Ist nicht bereits aufgrund der 
gesetzlichen Wendung «wie ein Eigentümer» mittels Umkehrschluss zu fol- 
gern, dass der liechtensteinische Treuhänder eben nicht wie bei der fiduziari- 
schen Treuhand Eigentümer des Treuguts ist? Wäre die Rechtsstellung des 
Treuhänders gem. Art. 897 PGR diejenige eines fiduziarischen Treuhänders, 
so hätte für den Gesetzgeber doch kein Anlass bestanden, die Berechtigung 
des Treuhänders «gleich einem selbständigen Träger von Rechten und Pflich- 
ten» dermassen ausführlich zu umschreiben, denn bei einer Eigentums- 
übertragung des Treuguts auf den Treuhänder zu «vollem Recht» wäre die 
Treuhänderberechtigung geradezu selbstverständlich gewesen. Keineswegs 
selbstverständlich waren dagegen Inhalt und Umfang der Treuhänderstellung 
bei einer Treuhandkonstruktion, bei der der Treuhänder nicht Eigentümer am 
Treugut wird. Hier bestand sehr wohl die Notwendigkeit, die Stellung des 
Treuhänders und dessen Verwaltungs- und Verfügungsberechtigung über das 
Treugut näher zu umschreiben bzw. zu definieren. 
Das gewichtigste und zugleich auch ausschlaggebende Kriterium dafür, 
dass der Treuhänder der liechtensteinischen Treuhänderschaft kein fiduziari- 
sches Eigentum am Treugut erwirbt, ist in Art. 910 Abs. 3 PGR enthalten. In 
dieser gesetzlichen Bestimmung ist das «dingliche Verwaltungsrecht» des 
152 Kommissionsbericht zum Treuunternehmen, 14. 
153 Kommissionsbericht zum Treuunternehmen, 14.
        

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