Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/16/
    
Harald Bösch 
der von WYLER befürworteten funktionalen Anpassung — für eine Lösung, de- 
ren Vereinbarkeit mit der liechtensteinischen Rechtsordnung durchaus ver- 
tretbar erscheint’®. Nachstehend soll dargelegt werden, dass als Wegbereiter 
der liechtensteinischen Lösung nicht zuletzt auch Autoren der frühen schwei- 
zerischen Treuhandliteratur in Betracht kommen. Um dies zu verdeutlichen, 
bedarf es auch einiger treuhanddogmatischer Ausführungen. 
b) Verwaltungs- und Verfügungsrecht versus fiduziarisches Vollrecht 
Das liechtensteinische Sachenrecht wurde mit Gesetz vom 31.12.1922”? ver- 
abschiedet und war zum Zeitpunkt der Kodifikationsarbeiten zum PGR somit 
bereits in Kraft. Bei der Redaktion der liechtensteinischen Treuhänderschaft 
war daher auf das neue Sachenrecht (liecht. SR), das mit dem schweizeri- 
schen weitgehend übereinstimmt, Bedacht zu nehmen. Als die liechtensteini- 
sche Treuhänderschaft geschaffen wurde, waren in der schweizerischen 
Rechtspraxis bereits die Würfel zugunsten der fiduziarischen Treuhandform 
gefallen. In BGE 31 II 105 hatte sich das schweizerische Bundesgericht der 
von REGELSBERGER® begründeten «Theorie des vollen Rechtserwerbs» ange- 
schlossen, nach der der Fiduziar aufgrund der fiduziarischen Zuwendung (zu 
vollem Recht) Eigentum erwirbt®!. In konsequenter Anwendung dieser The- 
orie hatte das Bundesgericht einige Zeit später in BGE 39 II 800 ein Ausson- 
derungsrecht des Fiduzianten im Konkurs des Fiduziars hinsichtlich der dem 
Fiduziar anvertrauten Sachen verneint und dies vor allem damit begründet, 
dass es bei der Abgrenzung des dem Art. 197 SchKG zu Grunde liegenden 
Vermögensbegriffes eines «scharfen und objektiven Kriteriums» bedürfe. Ein 
solches kônne, soweit kôrperliche Sachen betroffen seien, nur dadurch ge- 
wonnen werden, dass auf den absoluten Begriff des Eigentums im eigentli- 
chen («juristischen») Sinne des Wortes abgestellt werde®?, 
Derlei Treuhandrecht konnte den liechtensteinischen Intentionen nun aber 
keinesfalls förderlich sein, sofern man im Fürstentum auch nur annähernd 
darauf aus sein wollte, ein dem Trust des Common Law nachempfundenes 
78 In diesem Sinne bereits WyYLER (Fn. 56) 132; pers. (Fn. 65) 309. 
79  LGBI. 1923 Nr. 4. 
80 Zwei Beiträge zur Lehre von der Cession, AcP 63 (1880) 157 ff. 
81 Aus der frühen schweizerischen Fiduzialehre siehe insb. AEBY, L’acte fiduciaire dans le sys- 
tème du droit civil suisse, ZSR NF 31, 149 ff. Zum Eingang der fiduziarischen Treuhandthe- 
orie in die Rechtsprechung des Bundesgerichts vgl. Comc, Die Treuhand kraft privaten 
Rechtsgeschäfts (1973) 225 f. sowie WIEGAND, Trau, schau wem — Bemerkungen zur Ent- 
wicklung der Treuhandtheorie in der Schweiz und in Deutschland, FS Helmut Coing (1982) 
Bd. II, 565 ff. 
BGE 39 II 810. 
   
        

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