Herausgeber:
Verlage
Bandzählung:
119
Erscheinungsjahr:
2000
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000256_119_1_2/10/
    
    
Harald Bösch 
trags bereits in seiner eigenen treuhandrechtlichen Untersuchung** mit einiger 
Skepsis gegenübergestanden. Hauptgrund für diese Zweifel war ein im liech- 
tensteinischen Landesarchiv aufgespürter Brief** des zur Zeit der Erlassung 
des PGR amtierenden liechtensteinischen Regierungschefs an den fürstlichen 
Gesandten und Co-Gesetzesredaktor EMIL BECK in Bern. In diesem Brief wird 
bemerkt, WILHELM BECK sei «der englischen Sprache nicht mächtig». Nach- 
dem die liechtensteinischen Gesetzesmaterialien zwischen dem Recht der 
Treuhänderschaft und dem englisch-amerikanischen (Treuhand)Recht ein- 
deutige Bezüge herstellen*“, ist es nur sehr schwer vorstellbar, wie Redaktor 
WILHELM BECK in der Lage gewesen sein soll, ohne englische Sprachkennt- 
nisse das gewiss nicht leicht begreifliche*” Trustrecht so zu durchdringen und 
aufzuarbeiten, wie dies eine fundierte Rezeption des Trust erfordern würde. 
Schliesslich vermögen auch die sehr kärglichen Ausführungen in den Geset- 
zesmaterialien BIEDERMANNS These nicht recht zu stützen. Dort ist bezüglich 
der Kodifikation der Treuhänderschaft nämlich Folgendes bemerkt*®: 
«Die Regelung des Entwurfs gründet sich auf einen speziellen Entwurf ei- 
nes praktischen Juristen, der das englisch-amerikanische Recht besonders 
gut kennt und das Institut auf jenes Recht unter Eingliederung in den Ent- 
wurf eingebaut hat. Besonders eingehend regelt dieses Rechtsinstitut das 
englische Gesetzes- und Gewohnheitsrecht, und noch in diesem Jahre ist 
ein Nachtragsgesetz über die Trustee* erschienen (Trustee Act 1925).» 
Aufgrund seiner anwaltlichen Tätigkeit würde es sich bei WILHELM BECK 
zwar zweifelsohne um einen «praktischen Juristen» im Sinne der Gesetzes- 
materialien handeln. Aber bei einer Urheberschaft WILHELM BECKS wäre es 
doch naheliegend gewesen, diesen als geistigen Vater des Treuhandentwurfs 
entweder namentlich zu bezeichnen oder doch zumindest — pro patria — zu be- 
44  BôscH, Die liechtensteinische Treuhänderschaft zwischen Trust und Treuhand, Diss. Inns- 
bruck, verôffentlicht in: Schriften zum liechtensteinischen Recht, Bd. 2, FL-Mauren 1995, 
2551 
45 Liechtensteinisches Landesarchiv, Akten der liechtensteinischen Gesandtschaft in Bern 
(1919-1933), Bündel Nr. 16, Liechtensteinische Gesetzgebung: Brief der Fürstlichen Regie- 
rung v. 30. 11. 1923. 
46  Kurzer Bericht zum Personen- und Gesellschaftsrecht, 45. 
47  Keinem Geringeren als dem berühmten Germanisten Otto v. Gierke wird nachgesagt, er habe 
gegenüber seinem englischen Zeitgenossen Sir Frederic Maitland bemerkt «I can’t under- 
stand your Trust» (MAITLAND, Equity, À Course of Lectures, 2" ed., revised by John Bruny- 
ate, Cambridge 1936, 23). 
48 Kurzer Bericht zum Personen- und Gesellschaftsrecht, 45. 
49 Richtig müsste es wohl heissen «... Nachtragsgesetz über den Trustee . . .» (Hervorhebung 
des Verfassers).
        

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