Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/97/
partei postulierte Verfassungsänderung nach Einführung des parla­ mentarischen Regierungssystems, erklärt sich aus der innen- und welt­ politischen Lagebeurteilung. Im L. V. vom 22. Februar 1918 wird die gegenwärtige staatspolitische Lage mit «Ubergangsstadium» be­ zeichnet.160 Landesverweser von Imhof, der Chef der Regierung, gibt denn auch Herrn Dr. Wilhelm Beck im Anschluß an seine Rede im Landtag vom 24. Oktober 1918 zu verstehen, daß «neue Probleme» erst bei gefestigten Verhältnissen in Angriff genommen werden könn­ ten.161 2. Gegenüber dem Regierungssystem Dr. Wilhelm Beck charakterisiert das Regierungssystem in seiner programmatischen Rede im Landtag vom 24. Oktober 1918 wie folgt: «Bei uns habe sich schon vor dem jetzigen Herrn Landesverweser der Usus eingeschlichen, daß der Landesverweser alles besorge und die Herren Landräte tatsächlich nicht oder äußerst wenig an der Landes­ verwaltung mitwirken. Das passive Verhalten will aber die Verfas­ sung und will auch die erwähnte Amtsinstruktion nicht, sondern sie verlangen in der Regel ein aktives Mitwirken der Landräte an der gesamten Landesverwaltung. Mit allen diesen Ausführungen beabsich­ tigt Redner, wie er ausdrücklich betont, absolut keinen Vorwurf zu machen, denn es sei gerade umgekehrt notwendig, daß das Volk, die Regierung und der Landtag zusammenwirken und alles nur zum Wohle des Landes und Volkes und für dieses Unternehmen ... Ge­ rade die Verwaltungstätigkeit greift aber in mancher Hinsicht viel schärfer und tiefer in das Privatleben ein. Hier ist daher die Mit­ wirkung von Landräten aus dem Volke bei Ausübung der verwal­ tungsrechtlichen Tätigkeit einfach eine gebieterische Notwendigkeit, vor der wir uns die Augen nicht verschließen lassen dürfen.»162 In gleichem Sinne äußert sich vor dem Landtag vom 12. November 1918 der Vorsitzende des Vollzugsausschusses, Dr. Martin Ritter, indem er ausführt: «Die bisherige Regierungsweise war, wie Herr Landes Ver­ weser Herr Baron Imhof selbst an dieser Stelle zugegeben hat, un­ haltbar geworden; tatsächlich war sie der Zustand eines verkappten Absolutismus, durch den das Volk von Liechtenstein, welches doch einen Teil des großen deutschen Kulturvolkes, und nicht den schlech- 180 Nr. 8. 161 Vgl. LRA Landtagsakt Jg. 1918 S 4. 1,8 Zitiert nach LRA Landtagsakt Jg. 1918 S 4. 99 7»
        

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