Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/88/
komme. Für die Bürgerpartei war eine Volksabstimmung aus ver­ fassungsrechtlichen Überlegungen mit dem Ernennungsrecht des Für­ sten unvereinbar.122 Der Volkspartei schien das politische Risiko zu groß, mußte sie doch auch bei geschlossener Gefolgschaft ihrer An­ hänger mit einer erneuten Abstimmungsniederlage rechnen.123 In der Ausgabe der O. N. vom 9. Juni 1920124 erklärt sie, die Berufung auf eine Volksabstimmung sei ein «neuerlicher Ausweg unter dem Deckman­ tel der Demokratie». Das Volk sei «zu brav», als daß es seineStimme zu einer solchen «politischen Mache» zur Urne führe. Ein Einsender in den O. N. vom 18. Juni 1920125 gibt der Hoffnung Ausdruck, daß auf eine solche «Volksverdummung» nicht eingegangen werde, und stellt klar, daß es eine Abstimmung nur darüber geben könne, welche geborenen Liechtensteiner die Regierung in die Hände zu nehmen haben. Im August/September 1920 weilte der Landesfürst Johann II. im Lande. Er benützte diese Gelegenheit, um mit den Parteien über die hängigen Landesprobleme, insbesondere über die umstrittene Beset­ zung des Landesverweseramtes, eine Aussprache zu führen.126 In den Zusammenkünften mit den Parteispitzen konnte eine Klärung in der Landesverweserfrage erzielt werden. Am 14. September 1920 empfing der Landesfürst im Beisein des Kabinettsrates Martin die Delegation der Volkspartei, der der Ob­ mann der Volkspartei, Anton Walser-Kirchthaler, der Landtagsvize­ präsident Dr. Wilhelm Beck und der Landtagsabgeordnete Reallehrer Gustav Schädler angehörten. In einer Pressemitteilung127 hieß es, der Fürst habe gegenüber der Volkspartei seiner Hoffnung Ausdruck ge­ geben, daß nun die «Mißverständnisse» dauernd beseitigt sein mögen. Über den Inhalt der Gespräche wird bei der Darstellung der Verfas­ sungsrevision ausführlich die Rede sein, da sie für die Ausarbeitung der Verfassung von richtungsweisender Bedeutung sind. Es muß an dieser Stelle jedoch vermerkt werden, daß eine Einigung in der Lan­ desverweserfrage an das Zugeständnis des Fürsten geknüpft war, die 122 So L. V. Nr. 53, 1920 (Eintracht). ,2S Die Abstimmung über die Herabsetzung des Wahlalters, bei der die Volks­ partei unterlegen war, hatte zuvor am 2. März 1919 stattgefunden. 124 O. N. Nr. 46 (Volksforderungen). 125 O. N. Nr. 49. 126 Siehe L. V. Nr. 68, 25. August 1920; O. N. Nr. 76, 22. September 1920 (Zur Entwirrung der Landeskrise). 127 O. N. Nr. 75, 18. September 1920 (Mitteilung der Regierung); L. V. Nr. 75, 18. September 1920 (Zur neuen Landespolitik). 90
        

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