Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/69/
2. Regionale Gebundenheit Den liechtensteinischen Parteien ist, wenn man vom Hauptort Vaduz und der Gemeinde Planken absieht, von Anfang an ein auffallend regionalistischer Zug eigen. Dies rührt zum Teil daher, daß sie stark personalgebunden waren. Gesinnungsgenossen aus dem Oberland, vor allem aus den Gemeinden Triesenberg, Triesen und Balzers, schlössen sich zur Volkspartei zusammen. Eine natürliche Folge die­ ses Parteizusammenschlusses war die Gründung der Bürgerpartei, die ihren Anhängerstamm aus dem Unterland bezog. Ein beredtes Bei­ spiel dieser lokalen Begrenzung sind die Landtagswahlen von 1918. Die Volkspartei gab nur für das Oberland eine offizielle Wahlliste ihrer Kandidaten heraus. Sie war denn auch in der Zeitspanne von 1918 bis 1922 nur durch Abgeordnete des Oberlandes im Landtag vertreten.46 Diese regionale Gebundenheit (politische Blockbildung) mußte im Kampf um die Regierungsverantwortung zu Spannungen führen, zu­ mal die beiden Landschaften im Verhältnis zur Wählerzahl im Land­ tag ungleich vertreten waren. Eine Korrektur dieses politischen Un­ gleichgewichtes sollte in der Volksabstimmung vom 2. März 1919 herbeigeführt werden. Die Volkspartei legte ihr ganzes Prestige in die Abstimmungskampagne. Ihr Ziel war offenkundig: eine Mehr­ heit im Landtag, die sie jedoch kurzfristig gesehen nur dann errei­ chen konnte, wenn jüngere Jahrgänge zur Wahl gehen konnten und ^ wenn der Wahlkreis Oberland, aus dem ihre Stammwähler kamen, mehr Abgeordnete zugesprochen erhielt. Wenn sie auch mit volks­ tümlichen Parolen, wie «Hinein mit Volksmännern in den Landtag», Volks-Vertretung — nicht Herren-Vertretung!» auftraten, so ver­ mochte dies den Eindruck nicht zu verwischen, daß in dieser Volks­ abstimmung die beiden Landschaften im Kampf der Parteien um mehr Macht im Staate gegeneinander ausgespielt wurden. Dies be­ weisen die Abstimmungsresultate. Die Abstimmungsberechtigten des Oberlandes standen fast geschlossen hinter den Forderungen der Volkspartei und nahmen die Vorlage mit großem Mehr an. Die Ab­ stimmungsberechtigten des Unterlandes verwarfen eindeutig die Ab­ 46 Nach den Landtagswahlen vom 6./15. Februar 1922 gehörten sogar alle 9 Ober­ länder Landtagsabgeordneten der Volkspartei an. 71
        

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