Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/63/
ohne Zweifel aktiviert worden. Der allmähliche Zerfall der Donau­ monarchie gab den O. N. einen günstigen parteipolitischen Rück­ halt22, um ihre modernen national-liberalen Staatsgrundsätze laut­ stark zu verkünden. Die monarchische Staatsidee war am Verblas­ sen. In Deutschland und Österreich entstanden Republiken. Die Zeit war gekommen, um gegen das überalterte monarchische Regierungs­ system in Liechtenstein Sturm zu laufen, das die Anhänger der Volks­ partei als «verkappten Absolutismus» bezeichneten. Ein Nationalis­ mus kam ins Spiel. Mit den Parolen, wie «Liechtenstein den Liech­ tensteinern» und «Los von Wien»23, wurde der politische Kampf gegen ein festgefahrenes Regierungssystem geführt24. Die Ausstrah­ lungskraft der Persönlichkeit Dr. Wilhelm Becks war es, die vielen Bürgern Vertrauen und Mut einflößte und sie dazu brachte, sich um ihn zu gruppieren, weil sie von ihm eine Antwort auf ihre Nöte und Fragen erwarten durften. Er war kein Fremder, sondern, wie sie, Bürger des Landes. Man sparte in beiden Zeitungen viel Platz für die sogenannten Ein­ sender aus dem Volk auf und entwickelte so einen außerparlamenta­ rischen Raum, um die eigene Politik vom Volk rechtfertigen zu las­ sen und ihm das Bewußtsein zu geben, daß es nun gehört werde und 22 Unter der Parole «Los von Wien», O. N. Nr. 26, 16. April 1919, wird gefor­ dert: «Die neuzeitliche Ordnung unserer Verhältnisse und die Wandlungen in Österreich gebieten uns, selbständige, im Lande amtierende Gerichte einzufüh­ ren.» Schon in der Ausgabe Nr. 47, 16. Dezember 1918, der O. N. (Landes­ wochenschau) wird darauf hingewiesen: «Und heute darf man ruhig sagen, Deutschland wird eine Republik werden. Liechtenstein wird in Zukunft vor­ aussichtlich zwischen republikanischen Staaten eingeschlossen sein.» Auf solche Äußerungen der O. N. und Äußerungen wie z. B. «Aber auch in Deutschland - Österreich bereitet sich ein Umschwung vor. Das demokratische Element wird den vielen kleinen Fürsten und unnützen Höfen ein Ende bereiten, die vielen Ex(z)ellenzen und die ganzen Riesenschlange(n) der Adeligen und höhern Götter werden verschwinden» reagiert das L. V. heftig und entgegnet: «Denn die Liechtensteiner lieben ihr Land und ihren edlen Fürsten zu sehr und wollen nicht .verschwunden' werden!» (Zitiert aus L. V. Nr. 47, 30. November 1917) 23 Als Beispiel mögen angeführt sein: O. N. Nr. 25, 12. April 1919 (Los von Wien). Darin heißt es: «Ein Leitsatz der Volkspartei fordert die Ausschaltung der Hofkanzlei und die Verlegung der Gerichtsinstanzen ins Land . . . Wir wollen uns selbst helfen, getreu dem Spruche: Liechtenstein den Liechtenstei­ nern! Fort mit allem landesfremden Einflüsse! Los von Wien, keine Zwischen­ mauer zwischen Land und Fürst!» In den O. N. Nr. 36, 21. Mai 1919 (Über fremde Landvögte) wird kritisiert: «Wohl wurde durch die jetzige Verfassung der Name Ländvogt in Landesverweser umgetauscht, aber ein Fremder mußte es sein. Solche Zustände kamen in neuerer Zeit nur mehr in der überseeischen Kolonialverwaltung der Mächte, nirgends mehr in einem europäischen Staate vor. Schämen mußte man sich als Liechtensteiner, wenn einem Ausländer ge­ antwortet werden mußte, wir haben einen Fremden zum Regierungschef.» 24 Hermens F. A., Verfassungslehre 1964, 114, sagt: «Der Nationalismus ist eine . . . die Demokratie fördernde Macht.» 65 5
        

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