Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/53/
ihnen der Mittelstand schwach vertreten ist und Extreme leicht die Oberhand gewinnen.49 Anderseits kann ein überaus großer Staat ge­ rade das nicht leisten, was eigentlich seine Aufgabe wäre. Die Bürger lernen sich nicht in ihren Qualitäten kennen. Sie werden als Partner in ihrem Einsatz nicht herausgefordert und berücksichtigt.50 In die­ sem Sinne ist für das Gelingen einer Politik und für die echte Größe eines Staatswesens nach Aristoteles nicht seine Macht und äußere Größe entscheidend, so nützlich dies sein kann, sondern eine Opti­ mierung der Proportionen im Hinblick auf den internen Prozeß, durch den die Menschen sich mit Erfolg als Bürger im gerechten Staat erfahren. Dieser Prozeß, das innere Leben der Gemeinschaft, kann sehr ver­ schieden verlaufen und verschiedene Formen annehmen. Die Ver­ hältnisse können wechseln, einmal im Hinblick auf fähige Menschen, die im Stande sind, die Gemeinschaft in Gerechtigkeit zu führen und zu erhalten, anderseits im Hinblick auf materielle Gegebenheiten und Möglichkeiten, die Wohlfahrt aller sicherzustellen. Entscheidend ist die Einsicht, daß ein guter Staat immer begrenzt sein wird, nicht durch äußere Faktoren, sondern weil er sich zu seiner inneren Auf­ gabe relativ, wie ein Instrument verhält. Der Staat ist nicht endlos, eine Weltgemeinschaft für ungestörtes Zusammenleben, eine Versi­ cherung gegen internationale Streitigkeiten und Unfälle. Hierfür gibt es Bundesgenossenschaften und Verträge. Das politische Pro­ blem kann auch nicht durch einen perfekten Plan und durch die intelligenteste Berechnung aus der Welt geschafft werden. Es ist ein Problem des guten Willens: Die Freiheit in Gerechtigkeit und mit Rücksicht auf den.Partner zu nützen. Die Menschen, die dazu entschlossen sind, verstehen sich und verstehen sich auf ihre Gemeinschaft. Sie haben — sofern sie sich in Zahl, und Art hinrei­ chend ergänzen, daher bei der Verwirklichung ihres Wohlstandes genügen — das souveräne Recht, sich in ihrem Gebiet ihr eigene Ordnung zu geben. Hier soll die Dialektik von gesellschaftlicher Abhängigkeit, die sich auch erpresserisch ausnützen ließe, in einem echten menschlichen Verständnis für die Partner fortlaufend erkannt und überwunden werden. Das ist die eigentliche Aufgabe und die 49 Vgl. 1296 a 9—13. 50 Vgl. 1326 a—1326 b 25. Lassen wir den Text aus dem siebten Buch, der nun für sich.selbst spricht, folgen: «Die meisten meinen nun, daß ein glücklicher Staat groß sein müsse. Auch wenn dies wahr ist, so wissen sie doch nicht, was man unter einem großen und 54
        

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