Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/52/
Wir dürfen festhalten, daß diese Philosophie sich in die Überzeugung der Weisen der Völker einfügt. 5. Wir dürfen aber auch folgendes nicht übersehen: Aristoteles deutet den Aufbau einer staatlichen Gemeinschaft aus seiner Sicht von dem letzten und entscheidenden Prozeß der diese Gemeinschaft zusam­ menhält. Dieser innerste Lebensvorgang ist die Verwirklichung der Wohlfahrt aller und eines jeden. Er muß geordnet d. h. zielstrebig und in Gerechtigkeit erfolgen, so daß jeder zu seinem Recht kommt und daß jene die für die Allgemeinheit besondere Leistungen voll­ bringen auch entsprechend berücksichtigt sind, daß dabei aber immer auch das Ganze vor dem Teil geht. Indem er Ordnung und Aufbau des Staates schließlich völlig von der Verwirklichung eines menschen­ würdigen Lebens, so wie dies der Gemeinschaft in allen ihren Teilen gelingt, abhängig macht, hat Aristoteles sicher eine seinerzeit geläu­ fige Erfahrung ausgedrückt. Er hat in erster Linie für die Verhält­ nisse des antiken Griechenlandes gesprochen. Wir dürfen nicht über­ sehen, daß sich das politische Leben in dem griechischen Stadtstaaten in engen Grenzen vollzog, in Verhältnissen in denen jeder jeden kannte und in denen die Gemeinschaft von jedem Bürger vollen Ein­ satz fordern konnte. Wir dürfen uns aber fragen, ob Aristoteles mit seinem Begriff von Staat und bürgerlicher Gemeinschaft nicht den Kern oder auch die Crux des politischen Verhältnisses und seiner Konstitution getroffen hat. Verhehlen wir uns nicht die Schwierigkeiten. Wir haben einen raschen Gang durch die «Politik» gemacht und dabei sozusagen zu- rechtgeschnittene Balken und Begriffe gefunden, welche vorfabri­ zierte Häuser und Modelle von Staaten ergeben. Das ist in der Praxis anders. Ein jedes Gebäude hat seine Spannungen und eine jede poli­ tische Gemeinschaft ihr Problem der Autarkie. Nicht zwei sind gleich. Wesentlich ist, ob die Bürger überhaupt zu jenem Konsensus über ihr gemeinschaftliches Verhältnis kommen, so daß sie in Gerech­ tigkeit das Zusammenwirken verschiedener Teile mit ihren besonde­ ren Interessen, die auf ihre Weise berücksichtigt werden wollen, be­ jahen. Ja ist das nicht die Kernfrage jedes Staates und ist sie nicht umso schwieriger zu lösen, je größer und unübersichtlicher die Ge­ meinschaft ist? Wir finden auch hierzu in der «Politik» eine differenzierte Antwort. Einerseits sind kleine Staaten oft schwieriger zu erhalten, weil in 53
        

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