Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/48/
als Menschen der Gemeinschaft ihm gegenüber leistet, der nicht nur an sich denkt, sondern das Beste gibt, der als Bürger persönlich mit ihm solidarisch wird. 3. Im besonderen gilt das aber für Gesetz, Verfassung und die Regie­ renden. Das Gemeinwohl kann nämlich unter drei Aspekten gesehen werden. a. Einmal formell und insofern ist es in erster Linie Gerechtigkeit, die es für alle mit ihren besonderen Anliegen in der Gemeinschaft zu wahren gilt. Die gerechte Berücksichtigung eines jeden begründet ein unteilbares, gerechtes Verhältnis als Ganzes. Dieses ist gemein­ schaftlich aber nicht kollektiv. Es bezieht sich nämlich auf das per­ sönlichste Anliegen aller Einzelnen, ihren Zugang zu einem selbstän­ digen, vollen Menschenleben. b. Zweitens ist der Bürger, der die Gerechtigkeit wahrt, und die Ge­ meinschaft der Bürger, die dieselbe Aufgabe hat, ihre Ordnung und Verfassung, für den Staat das Kostbarste. Die gerechte Regierungs­ gewalt ist Bürge des Wohlergehens der Gemeinschaft und insofern sozusagen ein neues gemeinsames Gut, nämlich Motor und Seele der Gemeinschaft. Dies ist der Sinn des dritten Buches. Jeder Bürger und die Bürgerschaft als Ganzes hat die Verantwortung für den Staat und das gerechte Verhältnis in ihm zu tragen. In ganz besonderer Weise kommt dies aber jenen zu, die entsprechend der Verfassung regieren, besondere Ämter ausüben oder durch Fähigkeit und Stel­ lung in der Gemeinschaft Einfluß haben. Hier gibt es verschiedene Proportionen, verschiedene Verhältnisse von Teilen zum Ganzen. Für alle gilt: Einfluß, überragende Stellung sind an sich ambivalent, nicht unbedingt positiv.47 Je bedeutender einer oder eine Gruppe ist, umsomehr sind deren Fähigkeiten in den Dienst der Sache als das Ganze zu stellen, umsomehr ist Verantwortungsbewußtsein, Förde­ 47 So stellt sich Aristoteles und seiner Zeit das Problem der Macht. Man müßte darüber nachdenken, welchen Gruppen in der modernen Gesellschaft besondere Macht und Einfluß zukommt: etwa Unternehmern, Gewerkschaften, Parteifüh­ rung, dem Militär, aber auch Finanz und Wissenschaft. In diesen Zusammenhang gehört aber auch der Satz, wonach Macht schlecht und absolute Macht absolut schlecht ist. Die Griechen waren anderer Auffas­ sung. Macht ist ambivalent. Ihr Gebrauch muß verstanden, gebildet und notfalls begrenzt werden. Dann kann Macht wie ein befruchtender Strom allen dienen. 49 4
        

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