Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/24/
unfrei ist. Der Diener hat am Gemeinschaftsleben Anteil und dadurch auch an der Autarkie, aber nicht in Freiheit, da er die Führung nicht aktiv mitbestimmt. Damit sind die Mitglieder des Hauses in der Gestaltung eines men­ schenwürdigen Alltags, in Arbeit und Freiheit sich selbst genug und, insofern sie an der Führung der Gemeinschaft teilnehmen, auch frei. Sie besitzen aber diese Autarkie und Freiheit noch nicht völlig, son­ dern höchstens im Hinblick auf das täglich Notwendige. Hier folgt das zweite Buch. Viel besprochen, so wie das erste, ent­ hält es die Kritik am platonischen Idealstaat und damit, wie so gern betont wird, die Kritik am Kommunismus, dann auch die «Sichtung der überlieferten Meinungen von Vorgängern, seien das Philosophen oder Staatsmänner». Unter ihnen übrigens auch schon ein, in seinen linearen politischen Auffassungen, profilierter Urbanist. Man hat die komplementäre Position des zweiten zum ersten Buch unseres Erachtens aber zu wenig gewürdigt. Das erste Buch endet mit einer offenen Frage, derselben, mit der es begonnen hat. Was ist das gemeinsame Ziel, das oberste Gut, das die umfassendste, die politische Gemeinschaft konstituiert? Das zweite Buch zeigt, wie die Einzelnen über die erste, elementare Gemeinschaft hinaus einer weiteren bedürfen, um die Bedingungen ihrer Autarkie und damit ihre Freiheit wirklich zu besitzen. Dies erfolgt in dem großen Argument gegenüber Plato, dem großen Vertreter des Mythos der staatlichen Einheit und einer totalen Ver­ staatlichung menschlicher Gemeinschaft. Plato forderte die Auflö­ sung der Familienbande und deren kollektive Integrierung im Staat. Die Kritik an Plato erfolgt in fünf Absätzen oder, genauer gesagt, in fünf Perspektiven, denn jede von ihnen führt auf ihre Art die platonischen Vorstellungen ad absurdum. Wir unterscheiden: 1. Das theoretische Argument um den Begriff Einheit (1261 a 15—b 15). Wirkliche Einheit ist erst unter Teilen, die sich gegenseitig ergänzen und die daher verschieden sind, gegeben. Einfache Aneinanderreihung ergibt eine mindere Einheit. 2. Es folgt das praktische Argument (1261 b 16—1262 b 3). Persönliche 25
        

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