Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/199/
dung, zu Nicht-Identifikation und einem traditionslosen, immer zu­ fälligeren Standort, zu Labilität und zur Schwächung der Unabhän­ gigkeit. c) 
Mischsystem Man könnte es auch als System der Gewichte und Gegengewichte oder der Kontrollen und Ausgewogenheiten bezeichnen, als System, das allseitig verstrebt ist, das Monokulturen und Einseitigkeiten ver­ meiden will, als Maßhalten gegenüber extremen und einseitigen Ver­ hältnissen oder Entwicklungen. Ein solches System verleiht allseitigen Schutz, politisch und gesellschaftlich. Auch können an sich gute Entwicklungen oder Verhältnisse dadurch problematisch werden, daß sie überwuchern, dominant, alleinbeanspruchend und andere verdrängend werden. Unser 
Staatsaufbau ist im wesentlichen ein Musterbeispiel eines aus­ gewogenen Systems120 mit einigen Vorbehalten: Die Einführung des 
Frauenstimm- und Wahlrechts ist fällig. Not­ wendig ist durch eine Erhöhung der Abgeordnetenzahl eine Stärkung des 
Landtags als dem «Organ der Gesamtheit der Landesangehöri­ gen», das berufen ist, «die Rechte und Interessen des Volkes im Ver­ hältnis zur Regierung» und zur Verwaltung wahrzunehmen (Art. 45 Abs. 1 der Verfassung). Daß die 
Regierung in nicht zu langer Zu­ kunft aus mehr vollamtlichen Mitgliedern bestehen wird, wird wohl kommen müssen. Das wird die letztlich viel eher von den Wählern abhängige Regierung gegenüber dem Verwaltungsapparat und den Interessengruppen stärken. — Die Stärkung der Institutionen, sofern sie ausgewogen sind und einander kontrollieren, ist ein Schutz für den Bürger, auf daß nicht eines Tages der Staat «stark gegen die Schwachen und schwach gegen die Starken» (Pietro Nenni) werde. Weitere Einseitigkeiten sind vor allem im I. Teil, 1, dargelegt. Es seien hier nur einige wenige Erscheinungen wiederholt: Nach mehr Ausgewogenheit und damit Sicherheit ruft die einseitige Abhängigkeit von gewissen staatlichen 
Finanzquellen. 120 Ein solches System von zahlreichen Gewichten und Gegengewichten fußt auf der «Rationalität» der Gewichte. Die willkommene Zähmung der verschiede­ nen Kräfte durch jeweilige Bremsvorrichtungen kann das Ganze auch über- bremsen. Es muß ja auch die Bereitschaft zu notwendigen Reformen gegeben sein; dies ist die Last eines solchen, allen Bürgern dienenden Schutzsystems. Irrationales Verhalten in der einen oder anderen Richtung führt letztlich zu Vorherrschaft oder zu Zerfall und Anarchie in beiden Fällen zur Macht des Stärkeren. Diese «Rationalität» der beteiligten Gewichte ist letztlich der Preis der Freiheit aller. Vgl. Thronrede, LProt (5. 4.) 1955, 2 ff. 205
        

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