Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/190/
arbeitsamen Volkes, der Institutionen. Aber auf die Dauer kommt es stark darauf an, was wir aus diesen Gegebenheiten in positiver oder negativer Richtung machen. Das letztere führt zum Zerfall, das andere zur Entfaltung. Und je kleiner der Staat, desto weniger kann er sich auf die bloßen Gegebenheiten verlassen.101 Sie bilden mit den Zielen und den Strategien den Verbund, der den Staat zur Einheit integriert. Die Ziele sind also die möglichen anzustrebenden Ergebnisse (oder auch zu erhaltenden Gegebenheiten). Die Strategien sind die ent­ scheidenden grundlegenden Mittel, die, ausgehend von den festen Gegebenheiten, zu den Zielen führen sollen. Falsche Ziele erfordern entsprechend falsche Strategien. Falsche Strategien führen zu entspre­ chend falschen, gewollten oder nicht gewollten Zielen. So ist auch der heutige teils unbefriedigende Zustand, wie er oben im I. Teil aufgezeigt wurde und so weit er aktiv oder passiv selbst verursacht ist, das Ergebnis falscher Zielsetzungen oder Strategien. Das Besondere eines Kleinstaates kommt nicht nur in den Vorgege­ benheiten und nicht nur in den Zielen, sondern auch in den Strate­ gien zum Ausdruck, müssen diese doch sowohl den kleinstaatlichen spezifischen Gegebenheiten als auch den Zielen Rechnung tragen. Und auch die Strategien vermögen in sich Werte darzustellen. Wer dauernd fastet, sich diszipliniert, um bei normalem Gewicht zu bleiben, wird vielleicht in der Beschränkung selbst einen Sinn erkennen und mit der Zeit ein natürliches Bedürfnis darnach erlangen. Die bewußte Ein­ haltung von Strategien vermag zur zweiten Natur zu werden. Dabei sind zahlreiche Gegebenheiten besonders hilfreich, um einen Staat nach Menschenmaß zu verwirklichen. 101 Was der L. Wochenspiegel vom 5. 4. 1974 in bezug auf die Außenpolitik schreibt, gilt allgemein: «Wir müssen uns selbst Standpunkte erarbeiten, und diesen nachzukommen wird eine der Hauptaufgaben der kommenden Zeit sein . . . Wo steht eigentlich unser Land? ... Es wäre an der Zeit, wenn man so etwas wie ein ,außenpolitisches Manifest' erarbeiten würde. Damit wir von der Papierform der Eigenstaatlichkeit zur praktizierten Eigenstaatlichkeit kommen.» Peter Saladin schreibt (Entwicklungshilfe als Verfassungsauftrag, in Zeitschrift für Schweizerisches Recht, Neue Folge, Band 91, 1972, I. Halb­ band, 144 f.) hinsichtlich der Schweiz: «Gerade die Unerläßlichkeit zunehmen­ der internationaler und supranationaler Kooperation und die damit verbun­ dene Schwächung des Nationalstaatsgedankens gebieten es dem Kleinstaat, sich stärker als je auf seine spezifischen politischen Leitideen, besonders auf seine spezifischen Aufgaben zu besinnen. Versäumt er das. so wird er im wei­ ten Meer der sich allmählich zusammenschließenden Völker untergehen .. . Aber die bloße Existenz verleiht einem Kleinstaat erst Kuriosität... sie gibt ihm noch keine Personalität.» 196
        

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