Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/179/
(Hans Rheinberger) entstandenen Dörfer oder Teile derselben (oft in für Generationen unverrückbarem Material wie Beton, oft mit neuen Dominanten gegenüber den bisherigen in Gebäuden ausge­ drückten Hierarchien: Regierungsgebäude, Kirchen etc.) verändern und entfremden würden, ohne echte, neue menschliche Lebenseinhei­ ten zu schaffen. Es ist beabsichtigt, dieses Thema in einer besonderen Nummer der Politischen Schriften zu behandeln. e) 
Dynamisch-freie Gesellschaft Eine eingehende Untersuchung verdienten vereinzelte Erscheinungen unserer modernen 
dynamisch-freien Gesellschaft. Präsentierte sich Liechtenstein bis in den Zweiten Weltkrieg hinein eher als statische und abgeschlossene Gesellschaft mit festen kirchlichen, sozialen und kulturellen Strukturen und Wertordnungen, so erscheint unsere heu­ tige Gesellschaft als mobil, offen, pluralistisch. Verbindlichen Nor­ men steht eine nie gekannte Freiheit gegenüber, von der auch, dank der gesteigerten materiellen und technischen Erleichterungen, Ge­ brauch gemacht werden kann. Erlaubt die Höhe des Bruttosozial­ produkts keine Aussage über die geistig-kulturelle Situation und die humane Stärke einer Gesellschaft, so ist die Freiheit Ansporn zu Wettbewerb, Chance für das jeweils Bessere. Kulturelles und indivi­ duelles Leben entfaltet sich; manchmal wird Betriebsamkeit schon für das Sein selbst genommen. Im offenen dynamischen Prozeß wer­ den Erstarrungen gelöst, es wächst aber auch die Chance für den Robusteren, sich mit jeder Welle der Veränderung obenauf zu schwingen. Feiner strukturierte oder sich weniger nach vorne drän­ gende Menschen und solche, die nicht im Vollbesitz der physischen und geistigen Vitalität sind, Kinder, alte Menschen, Invalide, Unge­ borene und zukünftige Generationen, die sich nicht oder noch nicht wehren können, laufen Gefahr, trotz aller Sozialeinrichtungen zu kurz zu kommen. Und wenn Freiheit gar jedwelche Beliebigkeit be­ deutet, wenn jeder recht hat oder haben kann, wachsen Unsicherheit und Ungeborgenheit, und wird der Einflußnahme und Manipulation durch andere ein Tor geöffnet. Und schließlich: je mehr Gemeinsam­ keiten aufgegeben werden, desto mehr geht der einzelne in die Ein­ samkeit. Ist es abwegig, solche Tendenzen im Zusammenhang mit Liechtenstein zu nennen?643 In jedem Fall ist Liechtenstein höchstens Vgl. z. B. Antwort Regierungsrat Hans Gassner auf die Kleinen Anfragen Franz Beck betr. die hohe Selbstmordrate, im Landtag vom 13. 5. 1976, in L. Volks­ blatt vom 20. 5. 1976/L. Vaterland vom 25. 5. 1976. 185
        

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