Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/15/
Vertraut man nicht genug, erhält man kein Vertrauen. Wie vorsichtig waren ihre kostbaren Worte! Verdienstliches wurde vollendet, Werke vollbracht, und alle hundert Geschlechter sägten: Wir sind frei.» So stellt Lao-Tse dem Rönnen der Politiker die Weisheit des Staats­ mannes entgegen. Er trifft dabei einen zentralen Punkt. Der Ver­ such, das Reich total zu verwalten, offenbart sich in seiner inneren Schwäche und Enge. Lao-Tse argumentiert nicht gegen echte Größe und auch nicht gegen die Idee eines chinesischen Reiches. Lao-Tse ist kein Gegner, kennt keine Gegner. Er hat einen neuen Maßstab geschaffen, entsprechend dem schönen Märchen der Zen-Schule, die sich auf ihn bezieht: Der Maler malt eine Landschaft und spaziert vor den verblüfften Zuschauern in diese hinein, um auf immer darin zu verschwinden. Man weiß nicht, wo Lao-Tse gestorben ist. Er ver­ schwand. Aber der Maßstab wirkt, auch gegenüber dem modernen China. Ein Satz von Mao-Tse Tung: «Man macht Politik wie man Klavier spielt — mit allen zehn Fingern», zeugt vielleicht noch da­ von. Lao-Tse hat gesagt: «Man regiert ein großes Reich wie man kleine Fische brät». Das soll wohl heißen, mit aller Sorgfalt für das Detail, fern jedem «Imperialismus». Man kann sagen, Lao-Tse ist wie kein anderer der Philosoph der kleinen Größe. Tiefer gesehen ist er vom Geheimnis der vollendeten Wirkung fasziniert, von der Fähigkeit, Gegensätze in einer überle­ genen Synthese auszugleichen. Ein interessanter Gedankengang führt von hier zur Philosophie des Nikiaus von. Cusa, zur «Coinzidentia oppositorum» und zur Idee «Mischung der Gegensätze», welcher wir noch begegnen werden. Wir haben einen weiten Bogen gemacht und gesehen, daß die Weis­ heit der Völker den Begriff der historischen oder politischen Größe mit einer Reihe von Einschränkungen überliefert.6 Wird sich die uns nahestehende, die griechische Philosophie demgegenüber auf der Höhe erweisen? Wir haben schon einmal gesagt: Griechenland, das ist eine neue Art zu sehen, der erste Augenaufschlag einer neuen Weise Mensch zu sein. Unschwer finden wir uns hierin übrigens selbst wieder, beson­ ders wenn wir griechisches Wesen, griechische Kunst mit dem ver­ gleichen, was vorher war, mit dem Ägypten der Pyramiden und der 6 Dies wäre natürlich noch weiter auszuführen. 16
        

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