Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/121/
Kriegsende beachtliche Hilfe geleistet. Anhand der finanziellen Auf­ wendungen läßt sich dies deutlich erkennen: In den Jahren 1944—49 steuerte die Regierung beinahe 90 000 Franken an die Flüchtlings­ hilfe bei. Alleine 1945 waren es 52 000 Franken, was in dem Jahre 2 % der Gesamtausgaben des Landes bedeutet.18 Ein besonders heikles Problem stellte sich für die Regierung durch das Eintreffen von ca. 500 Russen, die auf deutscher Seite gekämpft hatten und in Liechtenstein interniert wurden. Hier hatte die Regie­ rung nicht nur materielle Hilfe zu leisten und die Internierten zu betreuen. Es ging auch darum durch politische Standfestigkeit die Internierten zu schützen, da die Sowjetunion die zwangsweise Repa­ triierung dieser Personen verlangte, was auf den erbitterten Wider­ stand der meisten Internierten stieß.19 Diese für unser Land große humanitäre Aufgabe konnte die Regierung gänzlich lösen: Keiner der Russen wurde zwangsrepatriiert, die Betreuung der Internierten von 1945—1947 wurde in großzügiger Weise durchgeführt und selbst die Auswanderungskosten wurden vom Land übernommen.20 Die Hilfe nach dem Krieg für Flüchtlinge und Internierte verlangte große Opfer vom Staat. Es darf aber nicht vergessen werden, daß die Regierung mit dem Problem direkt konfrontiert war; sie stand sozusagen unter Zugzwang. Man wird daher vorsichtig sein müssen, wenn man die damalige Aktion mit der späteren Auslandshilfe der Regierung vergleichen will. Man wird es vielmehr als bemerkenswert erachten müssen, daß die Regierung sich bald nach dem Krieg entschloß, Spenden für huma­ nitäre Aktionen im Ausland zu geben, ohne mit diesen Notlagen direkt konfrontiert zu sein. Die humanitäre Hilfe in Form von Geld­ spenden bei Naturkatastrophen und bewaffneten Konflikten ent­ wickelte sich im Laufe der Nachkriegsjahre zu einer Aufgabe des Staates, die bald als selbstverständlich angesehen wurde. Diese Ent­ 18 Dabei sind jedoch die Beiträge für liechtensteinische Rückwanderer mitenthal­ ten. Siehe dazu die Rechenschaftsberichte der Regierung, Jahrg. 1944 bis 49. 19 Auf die Geschichte der internierten Russen kann im Rahmen dieses Artikels nicht näher eingegangen werden. Eine genaue Beschreibung dieser Episode gibt Claus Grimm («Internierte Russen in Liechtenstein») im Jahrbuch des Histori­ schen Vereines (Jahrgang 1971, S. 41). 20 Die Internierung belastete das Budget des Landes in den Jahren der Internie­ rung mit einem Betrag von durchschnittlich 150 000 Franken, was wiederum im Durchschnitt 5 °/o der Ausgaben des Landes ausmachte. Diese Leistungen wurden erbracht, ohne damit zu rechnen, daß die Kosten ersetzt würden. Anfangs der fünfziger Jahre hat dann die Bundesrepublik Deutschland sämt­ liche Aufwendungen vergütet. 127
        

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