Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
6
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000078/118/
für kriegsgeschädigte (unterernährte) Kinder durchgeführt. So waren im Jahre 1917 über 200 kriegsgeschädigte Kinder aus Vorarlberg während einiger Wochen bei Familien im ganzen Land untergebracht, um sich erholen zu können. Die Gemeinden wetteiferten um die größte Anzahl der zur Verfügung gestellten Plätze.9 Die zur Ver­ fügung gestellten Plätze würden auch heute noch als großartiges Er­ gebnis bezeichnet werden, obwohl sich inzwischen die Bevölkerungs­ zahl verdreifacht hat. Diese Aktionen während des Ersten Weltkrieges wurden von ver­ schiedenen Seiten organisiert. Es gab noch keine Organisation, die dabei federführend war. Manche Hilfsaufrufe sind von einzelnen Personen oder von Vereinen (z. B. Müttervereine) ausgelöst worden, oft sind es Pfarrherren,10 die als Initianten auftraten. Es ist bemerkenswert, daß auch in der Zeit nach dem Ersten Welt­ krieg, als im Lande selbst Not herrschte, weiterhin humanitäre Hilfe an das Ausland geleistet wurde. Anfangs Dezember 1919 wurde zum Beispiel ein Aufruf in beiden Landeszeitungen veröffentlicht, der zu einer «Gabensammlung für darbende Wiener Kinder» aufforderte und auch ein positives Echo fand. Eine gewisse Kritik wurde aber in Anbetracht der eigenen Not laut: es gäbe genug darbende Kinder im Land, denen geholfen werden könnte.11 Diese Kritik wurde auch beherzigt, indem man eine Aktion für liechtensteinische Kinder durchführte. Manche Spendenaufrufe der damaligen Zeit brachten erstaunliche Ergebnisse ein, bedenkt man die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Land. Dies illustriert eine Hilfsaktion zugunsten notleidender Katho­ liken in Deutschland, die im Jahr 1923 durchgeführt wurde: die ein­ treffenden Spenden erlaubten es, drei Eisenbahnwagen mit Lebens­ mitteln nach Deutschland zu senden.12 Trotz dieses großen Ergeb­ nisses wurde noch im gleichen Jahr ein Kinderhilfswerk organisiert.13 In der Zeit der Rheinnot 1927 und danach war wenig Auslandshilfe zu verzeichnen. Erst der Zweite Weltkrieg mobilisierte wieder die Hilfsbereitschaft der liechtensteinischen Bevölkerung in vermehrtem 9 Siehe dazu «Liechtensteiner Volksblatt» (Nr. 26, Jahrg. 1917). 10 Ein Grund dafür ist, daß Sammelaktionen häufig auf Diözesanebene organisiert wurden. 11 Siehe «Oberrheinische Nachrichten» (vom 10. Dezember 1919). 12 Siehe «Oberrheinische Nachrichten» (vom 23. Juni 1923). 13 Siehe «Oberrheinische Nachrichten» (vom 15. Dezember 1923). 124
        

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