Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/72/
bb) In zunehmendem Maße beteiligt sich Liechtenstein auch an in­ ternationalen Organisationen, vor allem im Schöße der UN und im Rahmen der europäischen Integrationsbestrebungen. aaa) Nach der Ablehnung des liechtensteinischen .Beitrittsgesuches durch den Völkerbund227 und aufgrund der schweizerischen Zurück­ haltung gegenüber den UN bestand für Liechtenstein bis heute kein Anlaß, den Versuch eines Beitritts zur Weltorganisation zu unter­ nehmen, abgesehen davon, daß eine günstige Reaktion seitens der UN nicht feststeht.228 Hingegen hat sich Liechtenstein — dem Bei­ spiel der Schweiz folgend — dem Internationalen Gerichtshof sowie Nebenorganen und Spezialorganisationen und -fonds der UN ange­ schlossen oder unterstützt diese freiwillig.229 bbb) Die enge Verbindung mit der Schweiz hat Liechtenstein auch nicht daran gehindert, am Aufbau eines integrierten Europas mit­ zuwirken, soweit nicht vertragliche Abmachungen oder politische Rücksichten dem entgegenstanden. So konnte ein Beitritt Liechtensteins zur EFTA nicht erfolgen, da für eine Mehrzahl der Bestimmungen des EFTA-Vertrages aufgrund des Zollanschlußvertrages keine liechtensteinische Vertragskompe­ tenz mehr bestand. Dagegen wünschte das Fürstentum auch unter das. Regime der vom Zollanschlußvertrag nicht gedeckten Normen des EFTA-Vertrages gestellt zu werden, was mittels eines Zusatz­ protokolls geschah.230 227 Vgl. dazu Raton 65 ff. und dort zit. Lit., 170; UNITAR Studie 115 f. 228 Bedenken könnten sich kaum hinsichtlich der Staatlichkeit Liechtensteins er­ heben — diese ist anläßlich der Zulassung des Fürstentums zum Stahlt des Internationalen Gerichtshofes formell festgestellt worden — wohl aber be­ züglich der Fähigkeit, die Verpflichtungen ; aus der Charta zu erfüllen. Diese Voraussetzung überprüft die Generalversammlung nach freiem Ermessen (Art. 4 Abs. 1 SVN). Außerdem kann sich Liechtenstein auf keinen' Präzedenzfall berufen, da die hinsichtlich Bevölkerung oder Fläche kleinsten bisher aufge­ nommenen UN-Mitglieder, Sao Tom£ und Principe sowie die Malediven, ab­ gesehen vom Bruttosozialprodukt immer noch um einiges größer sind als Liechtenstein. Auch mit Bezug auf die Abhängigkeit von einem andern. Staat gibt es unter den gegenwärtigen kleinsten UN-Mitgliedern kein Beispiel,' das mit Liechtenstein .vergleichbar wäre. .Sollte allerdings der Trend zur . Auf­ nahme auch kleinster Gebilde anhalten, dürften sachliche'Gründe einer Auf­ nahme Liechtensteins in die UN nicht entgegenstehen. 22# Vgl. die Zusammenstellungen bei Kranz, Dokumentation 75 f.; Räton 114 f. Außerdem ist vom Fürstentum das im Schöße. der UN geschaffene Überein­ kommen über die Spezialmission vom 16. Dezember .1969 und das'Fakul­ tativprotokoll über die .obligatorische Beilegung von Streitigkeiten vom 16. Dezember 1969 am 15. Dezember 1970 unterzeichnet worden, Rechenschafts­ bericht 
1970, 31. ' ' • 280 Protokoll über die Anwendung des - Übereinkommens zur Errichtung der Europäischen Freihandels-Assoziation auf das Fürstentum Liechtenstein vom 4. Januar 1960, LGBl 
1960, Nr. 13. 72
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.