Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/69/
Verlierer wirtschaftlich und politisch außerordentlich geschwächte österreichische Rumpfstaat vermochte seine Funktion für Liechten­ stein nicht mehr zu erfüllen.212 Es lag auf der Hand, daß das Für­ stentum sich unter den gegebenen Umständen nach Westen wandte, konnte doch nur ein Nachbarstaat die spezifisch liechtensteinischen Bedürfnisse — vorab nach Eingliederung in ein fremdes Zollgebiet — befriedigen. Der Entscheid für die Anlehnung an die Schweiz fiel umso leichter, als schon seit langem Beziehungen mit Nachbarkan­ tonen und mit der Eidgenossenschaft bestanden.213 Obschon eine Reihe von Abkommen zwischen Liechtenstein und der Schweiz schon vor der Jahrhundertwende abgeschlossen worden waren, ergab sich doch erst aus dem Zollanschlußvertrag jenes Nahverhältnis wie es heute besteht. Das Fallen der Zollschranken bedeutete nicht nur die Eingliederung des Fürstentums in das schweizerische Wirtschaftsge­ biet, sondern infolge der Übertragung des Vertretungsrechtes gegen­ über Dritten in Außenwirtschaftsfragen auch den Anschluß an das Weltwirtschaftssystem. Da heute ein Großteil der Außenpolitik sich auf dem Gebiet der Außenwirtschaftspolitik bewegt, verbleibt nur mehr ein beschränkter Spielraum für die selbständige außenpolitische Betätigung der liechtensteinischen Organe. Es versteht sich auch, daß dabei wesentliche Gegensätze zu den Grundlinien der schweizeri­ schen Außenpolitik von Liechtenstein weder erwünscht noch beab­ sichtigt sein können. Die weitgehende Ausrichtung nach der Schweiz findet starken Rück­ halt in der liechtensteinischen Bevölkerung, wie eine kürzlich durch­ geführte Repräsentativumfrage unter den Stimmberechtigten des Fürstentum belegt.214 Trotz der zur Zeit der Erhebung etwas bela­ steten inoffiziellen Beziehungen zwischen Liechtenstein und dem Kanton St. Gallen815 sprachen sich mehr als zwei Drittel der Befrag­ ten für eine Fortsetzung oder gar für den Ausbau des gegenwärtigen Verhältnisses aus. Die Hälfte der übrigen ist von der heutigen Lage 212 Über das Verhältnis Liechtensteins zu Österreich vgl. Quaderer, Politische Geschichte des Fürstentums Liechtenstein 1815 bis 1848; Geiger, Geschichte des Fürstentums Liechtenstein 1848—1866; sowie Peter Kaiser/Johann B. Bü­ chel, Geschichte des Fürstenthums Liechtenstein, 2. Aufl. Vaduz 1923; Raton 48 ff. 218 Vgl. 
Gerard Batliner, Beziehungen 24 ff. und dort zit. Lit. Interessant ist auch die Tatsache, daß bereits nach 1860 eine breite Öffentlichkeit in Liechtenstein vom Landtag die Abkehr von Österreich und die Anlehnung an die Schweiz gefordert hat; Gerard Batliner, Beziehungen 25 f. 214 Gyger/Kränz/Niedermann 134 ff., 195 ff. 215 
Die Unzufriedenheit — vor allem des liechtensteinischen Unterlandes — rich­ tete sich gegen die Erstellung einer Umschlags- und Destillationsanlage für Heizöl im st. gallischen Sennwald, von welcher eine erhebliche Luftver­ schmutzung befürchtet wurde. 69
        

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