Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/61/
des Staates verstanden, der seine Existenzberechtigung, aber auch seinen Existenzwillen, seine Differenzierbarkeit und insbesondere seine Fähigkeit einschließt, eine von mehreren Schicksalsvarianten selbständig und von außen unbeeinflußt auszuwählen.176 Da es sich im Falle Liechtensteins um ein sehr kleines Staatswesen handelt, ist demgegenüber zu erwarten, daß es auf besonders enge Außenbeziehungen als eines der Mittel zur möglichst umfänglichen Wahrnehmung der innerstaatlichen Pflichten angewiesen ist und dementsprechend eine Notwendigkeit zum Abschluß längerfristiger Kooperationsvereinbarungen besteht. Naturgemäß wird dadurch der Bewegungsspielraum des kleineren Staates eher eingeengt. Damit be­ findet sich der kleine Staat — und insbesondere Liechtenstein — in einem Zielkonflikt. Dieser besteht darin, zur Erreichung einer opti­ malen außenpolitischen Stellung einerseits eine genügende auslän­ dische Unterstützung zu erhalten, ohne anderseits die Eigenstaatlich­ keit über Gebühr zu strapazieren.177 Wo die Grenze der Eigenstaat­ lichkeit anzusetzen ist, wäre aber nicht nur nach den überkommenen Kriterien zu beurteilen, sondern insbesondere auch nach den subjek­ tiven Vorstellungen und Wünschen des Staatsvolkes beziehungsweise seiner Organe. Diese Vorstellungen können sich im Laufe der Zeit und unter dem Druck der Umstände ändern. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist es Aufgabe der Außenpolitik, die jeweils gestellten An­ sprüche an die Eigenstaatlichkeit durch Anpassungen oder gar Struk­ turveränderungen der Außenbeziehungen zu befriedigen. Zur Wahrung der Eigenstaatlichkeit gehört grundsätzlich auch die Berücksichtigung des Sicherheitsaspektes.178 Ungleich der schweizeri­ schen Bundesverfassung, welche in Art. 2 die «Behauptung der Unabhängigkeit des Vaterlandes gegen außen» ausdrücklich als 176 Der Begriff der «Eigenstaatlichkeit» wird hier bewußt demjenigen der «Un­ abhängigkeit» vorgezogen, weil letzterer in völkerrechtlicher Lehre und Recht­ sprechung mit «Souveränität» gleichgesetzt wird und damit ebenfalls in den Bereich einer fruchtlosen begrifflichen Auseinandersetzung gerät; vgl. die Aus­ führungen vorn 44 ff. und Alois Riklin, Schweizerische Unabhängigkeit heute, Antrittsvorlesung vom 29. Mai 1972, Manuskript 9 f., der dann allerdings die Überwindung des Unabhängigkeitsbegriffes infolge seiner Wertrelativität in Anlehnung an Schwarzkopf, durch den Ersatz mit jenem der «Selbstbehaup­ tung» postuliert. Darin kann aber wohl kein materieller Unterschied zum hier verwendeten Begriff der Eigenstaatlichkeit gesehen werden. 177 Diese Problematik stellt sich in ähnlicher Form auch für die Schweiz; vgl. z. B. Arbeitsgruppe für die Vorbereitung einer Totalrevision der Bundesver­ fassung, Antworten auf die Fragen der Arbeitsgruppe, III Universitäten, Bern 1969/1970, Antworten der Hochschule St. Gallen, 551, N 418 ff. 178 Vgl. Riklin, a. a. O. (Anm. 176) 4 f., insbesondere 12 f.; Arbeitsgruppe für die Vorbereitung einer Totalrevision der Bundesverfassung, a. a. O. (Anm. 177) N 421. 61
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.