Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/33/
darin besteht, daß die Staaten miteinander in Beziehung treten. Blie­ ben sie beziehungslos, wären keine Konfliktsituationen rechtlich zu regeln und die Existenz des Völkerrechts daher nicht zu rechtfertigen. Dennoch ist es möglich, daß ein «Staat», gleich welcher Größe, über­ haupt keinen Wert auf irgendwelche Beziehungen nach außen legt und daher auch keine Vorkehren trifft, solche Beziehungen aufzu­ nehmen oder zu unterhalten. Diesem Gebilde allein deswegen vom Standpunkt des Völkerrechts die Staatlichkeit abzusprechen, erscheint aber doch als voreilig.76 Insbesondere ist die These abzulehnen, welche aus der Zahl der ständigen diplomatischen Missionen eines Staates irgendwelche Schlüsse auf dessen Staatlichkeit zu ziehen versucht. Die Akkreditierung eigener diplomatischer Vertreter in fremden Staaten — namentlich in solchen, zu welchen intensive Beziehungen bestanden — mag früher von ungleich größerer Bedeutung gewesen sein, indem ein Gesandter «plenipotentiaire» war — und sein mußte, wollte seine Regierung unverzügliche Reaktionen sicherstellen. Heute aber, da die modernen Ubermittlungsmittel eine jederzeitige Kontaktnahme des Diplomaten mit seiner Regierung zulassen, und darüber hinaus in Fällen von außergewöhnlicher Bedeutung die Re­ gierungschefs direkt miteinander verkehren — es sei an die sogenann­ ten «heißen Drähte» zwischen den Regierungssitzen der Großmächte erinnert — hat eine persönliche Vertretung von Staaten in anderen Staaten an Bedeutung verloren. Auch ist es heute schon bewährte Übung, daß viele Staaten ihre diplomatischen Vertreter in mehreren Hauptstädten akkreditieren oder über sogenannte «Reisebotschafter» verfügen.77 In eine ähnliche Richtung zielen häufig auch Pressekom­ mentare anläßlich einer Entführung von Diplomaten durch Terro­ risten in dem Sinne etwa, daß in technischer Hinsicht keinerlei Hin­ dernisse für die verschiedenen Verwaltungen bestünden, ohne das Verbindungsglied des diplomatischen Dienstes und der Außenmini­ sterien direkt über die zur Verfügung stehenden Übermittlungsmit­ tel78 miteinander in Kontakt zu treten. Diese Auffassung ist zweifel­ 78 So Ehrhardt, Mikrostaat 40. Sogar Walther Burckhardt, Gutachten betr. ver­ fassungsmäßige Schranken von Staatsverträgen, o. O., o. D. (zit. bei Bind- schedler, Gutachten 179), sieht den Bestand des Staates in Abhängigkeit von seinem Verhältnis zum Ausland. Differenziert dagegen Dahm, I 192 und 296, der — mit Blick auf das frühere Tibet — im Falle fehlender Teilnahme am Völkerrechtsverkehr lediglich von einer Verletzung der «Pflicht zu gemein­ schaftsmäßigem Handeln» spricht. 77 Schon aus dieser Tatsache folgt, daß Ehrhardts Interpretation der Montevideo Convention (Mikrostaat 43), welche die Fähigkeit voraussetzt, mit 
allen an­ deren Staaten Beziehungen zu unterhalten, der Praxis auch größter Staaten widerspricht. 78 Z. B. Kuriere, Post, Telefon, Telegraf. 33 3
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.