Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/24/
rung; anzurechnen sind. Zum Staatsvolk gehören sie aber in ihrer Eigenschaft als der Personalhoheit ihres Heimatstaates Unterworfene, deren Wirksamkeit an der Landesgrenze keineswegs aufhört.40 Auch im Zusammenhang mit diesem zweiten Wesensmerkmal des Staates stellt sich die Frage, ob eine zahlenmäßige untere Begrenzung des Staatsvolkes verlangt werden müsse. Nach der Völkerrechts­ theorie besteht dazu keinerlei Notwendigkeit.41 Als einziges Krite­ rium zur Beantwortung dieser Frage hat die Fähigkeit zu gelten, die Pflichten und Rechte nach allgemeinem Völkerrecht zu erfüllen bzw. wahrzunehmen.42 Eine andere Anforderung wird vom Völker­ recht nicht geltend gemacht. Somit ist die Frage, ob eine aus nur zehn Personen bestehende menschliche Gemeinschaft unter der Voraus­ setzung, daß die anderen Begriffsmerkmale gegeben sind, als Staat bezeichnet werden könne, m. E. falsch gestellt. Die Frage müßte vielmehr darauf abzielen, ob sich dieses Gebilde wie ein Staat im Sinne des Völkerrechts .verhalten könne oder nicht. Aber auch diese Art der Fragestellung ermöglicht keine allgemein gültige: Antwort, weil nicht ohne die Beurteilung des Einzelfalles auszukommen ist. 40 Im Gegenteil ist die Personalhoheit als Summe der hoheitlichen Beziehungen zwischen Staat und Staatsbürger aufzufassen; vgl., dazu anstelle vieler Ver­ dross 316 f. 41 Einzig Fauchille (Trait£ de droit international public; zit. bei Berber I 117) verlangt, daß die den Staat konstituierenden Menschen so zahlreich sein müs­ sen, daß sie sich selbst wirtschaftlich erhalten können. Die Abw'egigkeit'dieser Forderung wird vor allem durch den Umstand, klar, daß einerseits auch mittlere und große Staaten Ausländer zur Bewältigung ihrer Aufgaben in Ver­ waltung und Wirtschaft heranziehen müssen, während andere Länder über ein zu großes Staatsvolk verfügen, um es auch nur einigermaßen ernähren zu können. Neuerdings versucht allerdings Ehrhardt, Mikrostaat 88 ff. (mit Verweisen auf frühere Vorschläge), eine untere zahlenmäßige Grenze für das Staatsvolk zu begründen, welche1 er bei'300 000 Personen festsetzt. Weder Hypothesen noch Begründung vermögen indessen -zü befriedigen, denn, die Annahme, daß ein Staat diese oder jene Mindestbevölkerung aufweisen: müsse, beruht bei allen bisher vorliegenden Vorschlägen' ausschließlich auf der Berücksichtigung der gegenwärtigen Staatengesellschaft. So wird ohne 
:Umschweife festgehalten, daß Luxemburg mit seinen 334 790 Einwohnern doch als etabliertes Staatswesen anerkannt sei und daher eine Festsetzung der Minimalgrenze darunter liegen müsse (94). Anderseits könne Barbados mit etwa 250 000 Einwohnern nicht'als Staat im Sinne des Völkerrechts bezeichnet werden. Daß aber Island auch als «etablierter» Staat gelten müsse, obwohl es nur knapp 200 000 Einwohner-auf­ weist, nimmt Ehrhardt in 'Kauf. Eine weitere Inkonsequenz ist darin zu er­ blicken, daß er zwar für «Staaten im Völkerrechtssinne» eine untere Grenze für das Staatsvolk festsetzen will, dies aber für die Abgrenzung des «Mikro- staates» gegenüber'anderen Gebilden — aus:übrigens einleuchtenden Gründen — nicht für notwendig-erachtet. (In einer neuesten, noch nicht veröffent­ lichten Arbeit soll sich Ehrhardt allerdings von seiner früheren Auffassung distanziert haben, Liechtenstein sei ein «Mikrostaat». Vielmehr müsse es auf­ grund seines wirtschaftlichen • Potentials Kleinstaaten' wie Luxemburg zuge­ rechnet werden.) Vgl. im übrigen die Ausführungen hinten S." 63 ff. 42 Vgl. Verdross 192; Dahm I 79; Ermacora, Staatslehre I 198 f. 24
        

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