Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/157/
IE. Schlußfolgerungen Gemäß Art. 14 LV ist «die Förderung der gesamten Volkswöhlfahrt» oberste Staatsaufgabe. Zu fragen bleibt, ob die liechtensteinische Außenpolitik der letzten fünfzig Jahre im Dienste dieser Aufgabe stand und ob als Folge dieser Politik die heutige internationale Stel­ lung des Fürstentums darauf ausgerichtet ist. Ein Überblick über die Entwicklung Liechtensteins seit Beginn des Ausbaues der Beziehungen zur Schweiz zeigt, daß die «Volkswohl­ fahrt» außerordentliche Fortschritte gemacht hat. Darunter ist nicht nur eine breitgestreute Wohlstandssteigerung525 zu verstehen. Auch die Entfaltungsmöglichkeiten für den einzelnen haben sich'stark ver­ mehrt, nachdem sich das Fürstentum von einem Agrarland in einen hochentwickelten Industriestaat gewandelt hat. Es ist unbestritten, daß dies ohne die enge Anlehnung an die Schweiz nicht in diesem Ausmaß möglich gewesen wäre. Das heißt allerdings nicht, daß eine Strategie, die sich während der vergangenen fünf Jahrzehnte als richtig erwiesen hat, auch inskünftig erfolgreich sein müsse. Es gilt jedenfalls festzustellen, daß. sich heute mehr Alternativen anbieten, als dies noch vor dem Zweiten Weltkrieg der Fall war. So wären namentlich die verschiedenen Varianten der Zusammenarbeit mit regionalen Staatenverbindungen, welche eine mehr oder weniger weitgehende wirtschaftliche Integration ihrer Mitglieder anstreben, in Betracht zu ziehen. Die zunehmende Verflechtung mit irgendeinem Partner, sei er die Schweiz, ein Drittstaat oder eine völkerrechtliche Staatenverbindung, erhöht die Abhängigkeit des Fürstentums und stellt die Eigenstaat­ lichkeit in Frage. Die Erhaltungswürdigkeit der Eigenstaatlichkeit steht aber offenbar für die Liechtensteiner außer Zweifel,526 so daß Varianten zukünftiger liechtensteinischer Außenpolitik, die eine Preisgabe der Staatlichkeit in Kauf nehmen — im Vordergrund stünde wohl die Umgestaltung des Fürstentums zu einem Kanton der Schweiz — keine Aussicht auf Erfolg haben. Sie wäre auch nicht wohlfahrts- und damit verfassungskonform, denn die Mißachtung der politischen Uberzeugung der Volksmehrheit wäre mit dem ver­ fassungsmäßigen Grundsatz der Förderung der aligemeinen Volks­ wohlfahrt im demokratischen Staatswesen kaum vereinbar. Bei die­ 525 Vg]. z. 
b. Kranz, Dokumentation 97. 526 Vgl. Gyger/Kranz/Niedermann 140. 158
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.