Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/13/
Der Kleinstaat ist demnach am besten in der Lage, seinen Bürgern ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln und ihnen die Gewißheit zu geben, daß den Bedürfnissen des einzelnen eher und besser ent­ sprochen wird, da das Individuum in verstärktem Maß am Prozeß der staatlichen Willensbildung beteiligt werden kann. Dieser Mög­ lichkeit des Kleinstaates stehen aber Nachteile gegenüber. Vorab ver­ mag ein kleiner Staat mit geringem Machtpotential die Sicherheit seiner Bürger nicht in gleicher Weise zu gewährleisten wie ein Groß­ staat." Wenn nicht einmal die großen Industrienationen sich wegen des arbeitsteiligen Produktions- und Verteilungsprozesses heute als wirtschaftlich völlig unabhängig bezeichnen können, trifft dies für den Kleinstaat umso mehr zu. Dieser ist daher besonders stark auf gute Beziehungen mit anderen Staaten angewiesen. Im Verhältnis zwischen den Staaten ist es normal, daß jeder Partner auf seinen Vorteil bedacht ist; daher hat sich der Kleinstaat ständig gegen alle möglichen Formen der Machtäußerung Dritter zur Wehr zu setzen. Dies wird besonders aktuell im Rahmen von Bestrebungen zur Schaf­ fung eines supranationalen Wirtschaftsraumes: Dabei werden die in­ tegrationswilligen Großstaaten oft versuchen, ihre kleineren Kontra­ henten sowohl im Zuge der Vertragsverhandlungen als auch später im institutionellen Rahmen zu dominieren. Dem können die Klein­ staaten dadurch entgegenwirken, daß sie sich nur zusammen mit an­ deren Kleinstaaten am Integrationsprozeß beteiligen. Dadurch bilden sie in ihrer Gesamtheit wenigstens ein gewisses Gegengewicht zu den Großstaaten. Aus diesen Gründen muß sich der Kleinstaat dafür einsetzen, daß neben ihm weitere kleinere, aber selbständige Staaten bestehen bleiben und auch in Zukunft ihre Identität zu bewahren vermögen. Aufgabe dieser Arbeit ist daher, das Verhältnis zwischen dem Klein­ staat Schweiz und dem Kleinststaat Liechtenstein zu untersuchen, und zwar insbesondere daraufhin, ob sich unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung oder allenfalls Rückgewinnung der Eigenständigkeit Änderungen der gegenwärtigen Beziehungen aufdrängen. Dazu wird zunächst die grundsätzliche Stellung des Fürstentums in der heutigen Staatengesellschaft durchleuchtet. Namentlich ist angesichts seiner geringen Größe die Frage der Staatlichkeit aufzuwerfen und gestützt auf die Erkenntnisse von Theorie und Praxis zu beantworten. Her­ nach wird insbesondere zu prüfen sein, welchen rechtlichen Einflüs­ sen eines fremden Staates Liechtenstein im einzelnen ausgesetzt ist, und in welchem institutionellen Rahmen sie sich bewegen. Es geht in diesem Zusammenhang also in erster Linie darum festzustellen, ob durch einzelne vereinbarte Rechte und Pflichten der Vertragspartner 13
        

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