Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
5
Erscheinungsjahr:
1976
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000077/12/
essen die Menge an Freiheit jedes einzelnen abnimmt.2 So ist das Verhältnis zwischen Staat und Individuum unter anderem von der Größe des Staates abhängig. Die Beziehung Mensch — Staat wird umso persönlicher, unmittelbarer, vor allem motivierter und deren Sinn wird umso einsichtiger, je kleiner und überblickbarer die. Ver­ hältnisse sind. Dies macht ein Blick auf Großstaaten wie beispiels­ weise die USA anschaulich: Das dort feststellbare Malaise ist wesent­ lich durch die Ohnmacht, die der einzelne vor allem der Zentral gewalt gegenüber verspürt, begründet.3 Die Tatsache, daß es sich hierbei sogar um ein föderalistisches Staatswesen handelt, akzen­ tuiert diese Erscheinung. Die Erklärung liegt auf der Hand: Das ständig intensivere Eingreifen des Staates-in alle Lebensbereiche, die für den einzelnen unüberblickbar gewordene spezialisierte und tech­ nisierte Staatstätigkeit, schließlich die heute in jedem Bundesstaat (aufgrund von «Sachzwängen») wahrnehmbare Tendenz, die Zentral­ gewalt zu verstärken, tragen dazu bei, daß sich der Bürger überfor­ dert und übergangen fühlt. Diese Feststellung beschränkt sich keines­ wegs auf große Bundesstaaten; sie läßt sich — wenn vielleicht auch in milderer Form — beinahe überall nachweisen.4 Da indessen die fehlende Uberblickbarkeit der Verhältnisse als einer der Gründe für ein vermeintliches oder tatsächliches Malaise zumindest teilweise von der bevölkerungs- und flächenmäßigen Ausdehnung eines bestimm­ ten Staates abhängt, ist unschwer einzusehen, daß sich der Kleinstaat in dieser Hinsicht gegenüber großen, Staaten im Vorteil befindet.5 2 So genügten beispielsweise früher einige wenige Vorschriften im ehemals schwa­ chen Straßenverkehr; der einzelne wurde in seiner Bewegungsfreiheit nicht stark eingeschränkt, währenddes die heutigen'Verkehrsteilnehmer aufgrund ihrer grcn ßen Zahl sich an eine Unmenge von Geboten und Verboten zu halten haben und entsprechend in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. s":Diese Feststellung ergab sich in' zählreichen persönlichen Gesprächen. in den USA mit Angehörigen verschiedenster; Herkunft und Parteizugehörigkeit. Vgl. auch die Vorwürfe des New Yorker Bürgermeisters John Liridsay an die Regie­ rung anläßlich der Bekanntgabe seiner .Bewerbung: um: die Präsidentschaftskan­ didatur für die Wahlen von 1972 in Miami (Florida), wo er u. a. feststellte: «Zuviele Leute sprechen aus Washington, zuwenige in Richtung Washington» (Radiointerview vom 29. 12. 1971; vgl. auch die entsprechende Agenturmeldung in NZZ Nr. 607 vom 29. 12. 1971). 4 Vgl. dazu Max Imboden, Helvetisches Malaise, Zürich 1964. 8 Bezüglich der . Faktoren zur, Unterscheidung des Kleinstaates vom Großstaat vgl. Krüger, Staatslehre 43. Nicht zu übersehen ist außerdem, daß sich für die Zu­ kunft offenbar auch auf anderen Gebieten eine Überlegenheit des Kleinstaates ergibt, so z.: B. bei .der Bewältigung der. Umweltprobleme; . vgl. A Blüeprint for Survival (verschiedene Autoren), in The Ecologist 2 (1972), 14 ff. 12
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.