Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
4
Erscheinungsjahr:
1975
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000000076/68/
ken für ihr Engagement.115 Man könnte diese als Neutralitäts-Vor­ behalt, als Supranationalitäts-Vorbehalt und als Handelsvertrags- autonomie-Vorbehalt bezeichnen. Als 1957 die sechs Mitgliedstaaten der Montanunion die EWG und das EURATOM gründeten116, verhielten sich Liechtenstein und die Schweiz zurückhaltend. Sie trauten dem europäischen Frieden nicht ganz und scheuten davor zurück, wichtige staatliche Funktionen an eine supranationale Organisation zu übertragen.117 Dabei fanden sie sich in guter Gesellschaft. Von den siebzehn OECE-Staaten beteilig­ ten sich nur deren sechs an der Gründung der beiden neuen Europäi­ schen Gemeinschaften. Die Abseitsstehenden, besonders Liechtenstein und die Schweiz, deren wichtigste Handelspartner zu den Gründer­ staaten der Europäischen Gemeinschaften gehörten118, fürchteten je­ doch die negativen Auswirkungen der wirtschaftlichen Spaltung Westeuropas. Deshab schlug die Eidgenossenschaft an der Minister­ tagung der OECE vom Februar 1956 die Prüfung der Frage vor, ob die von den Sechs ins Auge gefaßte erste Zollsenkungsrunde nicht von allen OECE-Staaten gemeinsam durchgeführt werden könnte.119 Im Juli 1956 beschloß, der OECE-Ministerrat mit schweizerischer Zustimmung, Möglichkeiten multilateraler Assoziationsformen zwi­ schen der beabsichtigten Zollunion der Sechs und den übrigen OECE- Staaten zu prüfen, im besonderen die Schaffung einer großen Euro­ päischen Freihandelszone. Bevor jedoch die Verhandlungen über einen gemeinsamen Freihandelszonenvertrag beendigt waren, gab Frank­ reich bekannt, daß es einem solchen Projekt nicht zustimmen werde.120 "5 Vgl. BB1 II 1948, S. 1183 und BBl I 1961, S. 966. n® Der EWGV und der EAGV wurden am 25. März 1957 in Rom unterzeichnet und traten am 1. Januar 1958 in Kraft. 117 Vgl. Hindrichs G., Die Schweiz und Europa, in: EA, 11. Jg. (1956), S. 9089 ff. 118 Schweiz Liechtenstein1 Außenhandel 1957: Einfuhr Ausfuhr Ausfuhr BRD (ohne Saargebiet) 26 % 14% 24% Frankreich 10% 8% 10% Italien 11 % 8% 4% Belgien/Luxemburg 4% 4% 4% Niederlande 
4 %> 4% 5% 55% 38% 47% i Für Liechtenstein sind keine Einfuhrzahlen erhältlich. Quelle: Jahresstatistik des schweizerischen Außenhandels 1957, Bd. 1, S. 314 f.; Rechenschafts-Bericht der Fürstlichen Regierung an den Hohen Landtag für das Jahr 1957, S. 55 ff. Ii» Vgl. Entwicklung der europäischen Integrationsbestrebungen, Beilage zum 83. Bericht über wirtschaftliche Maßnahmen, BBl II 1971, S. 647 ff. 120 
Vgl. Erklärung des französischen Informationsministers Soustelle vom 14. 11. 1958, Text in: EA, 13. Jg. (1958), S. 11 265. 68
        

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