Schweiz Ursprungszertifikate eingeführt werden, was wiederum mit einem nicht zu unterschätzenden administrativen Mehraufwand ver­ bunden wäre; entfielen 1973 doch 43,8% des Gesamtexportes (214,4 Mio. Franken) auf die Schweiz.28 Vorausgesetzt, daß der Schweizerfranken auch bei einer Änderung der Beziehungsart zwischen Liechtenstein und der Eidgenossenschaft Zahlungsmittel im Fürstentum bleiben könnte, stellten sich für Liech­ tenstein wohl die größten Schwierigkeiten aus dem legislatorischen Nachholbedarf. Aufgrund des Zollvertrages stieg in den letzten fünf­ zig Jahren die Zahl der in Liechtenstein geltenden bundesrechtlichen Erlasse ins Unübersehbare. Seit 1959 wurden die Nachträge und die Bereinigung des Verzeichnisses der im Fürstentum geltenden schwei­ zerischen Erlasse nicht fortgeführt.29 Im Falle einer Kündigung des Zollvertrages stände man in Liechtenstein zwar nicht vor einem gro­ ßen Vakuum, könnten ein großer Teil der schweizerischen Gesetze doch auch weiterhin zur Anwendung gebracht werden. Eine nur mit großen finanziellen und administrativen Aufwendungen zu erzielende Durchsicht dieser Erlasse wäre jedoch unvermeidbar. Teils müßten neue Gesetze verabschiedet werden, teils hätte man die heute gelten­ den Gesetze den geänderten Umständen anzupassen und teils wären Gesetze außer Kraft zu setzen. Würde sich dieser Aufwand lohnen? Positive Wohlstands- und Wachs­ tumseffekte sind nicht zu erwarten. Das heißt, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus lohnt sich die Änderung des Verhältnisses Liechten­ steins zur Schweiz nicht. Zusammenfassend gelangt man zum Schluß, daß die Alternativen zum Ist-Zustand keine bessere Erreichung des Wohlstandsziels ver­ sprechen. Die bestehende kollektive Freihandelsregelung der Bezie­ hungen Liechtensteins zur Europäischen Gemeinschaft zusammen mit der Schweiz auf Basis des Zollvertrages bildet vom Wachstums- und wohlstandstheoretischen Standort aus ein Optimum. 63.2 Beurteilung unter dem Gesichtspunkt der Mitbestimmungszielordnung Der Ist-Zustand gibt, vom Standpunkt der Mitbestimmungszielord­ nung aus betrachtet, zu Diskussionen Anlaß. Liechtenstein hat keine echten Möglichkeiten zur Artikulation eigener Werte und Interessen 28 Jahresbericht 1973 LIK, S. 34. 29 Batliner G., Die völkerrechtlichen und politischen Beziehungen zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und der Schweizerischen Eidgenossenschaft, in: Bei­ träge zur liechtensteinischen Staatspolitik, Liechtenstein — Politische Schrif­ ten 2, Vaduz 1973, S. 33. 217
        

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