weitergehende Assoziationsformen als die Freihandelszone, eventuell auch ein Beitritt, trotz den damit verbundenen Nachteilen, vom Wachstums- und wohlstandstheoretischen Standpunkt aus dem Ist- Zustand vorzuziehen wären. Bleibt die Entwicklungsklausel jedoch nicht leeres Wort, so dürfte die Freihandelsregelung wohl auch noch in absehbarer Zukunft wirtschaftspolitisch die optimalste Lösung für Liechtenstein sein, sind doch die übrigen Verhaltensalternativen mit nicht zu unterschätzenden negativen wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden.7 Zusammenfassend gelangt man zur Feststellung, daß der Ist-Zustand das Wohlstandsziel weitgehend erfüllt. Wie steht es jedoch mit den anderen wirtschaftspolitischen Zielen? Die Freihandelsabkommen beschränken sich auf einen kleinen Bereich der wirtschaftlichen Ordnungspolitik. Sie werden weder der Inter- dependenz des wirtschaftlichen Gesamtprozesses noch der internatio­ nalen Konjunkturverbundenheit gerecht. Der klassischen Freihandels­ theorie folgend wurden mit dem Ziel einer weiteren Steigerung von Wachstum und Wohlstand Handelshemmnisse abgebaut. Doch ist die liechtensteinische Wirtschaft noch in der Lage, die dadurch ausge­ lösten Impulse real auszunutzen? Der Zollabbau wird zu einer Stei­ gerung der Außennachfrage führen. Diese kann in Liechtenstein nur mehr zu einem geringen Teil durch Produktionssteigerungen aufge­ fangen werden. Das inländische Arbeitskräftepotential ist weitgehend ausgeschöpft und aus demographischen Gründen sind einer weiteren Aufblähung der Zahl ausländischer Arbeitskräfte enge Schranken gesetzt. Auch die Möglichkeiten zusätzlicher Rationalisierungsmaß­ nahmen dürfen nicht überschätzt werden, veranlaßten doch sowohl die Situation auf dem Produktionsfaktorenmarkt wie auch die Dis­ kriminierung liechtensteinischer Exporterzeugnisse durch den hohen EG-Außentarif die Industrie des Fürstentums schon vor Abschluß der Freihandelsabkommen so rationell wie möglich zu produzieren. Im Gegensatz zu den Erwartungen der Theorie8 werden durch den Abbau der Zollschranken in Liechtenstein kaum mehr Produktions­ faktoren freigesetzt, die zur Befriedigung der gesteigerten Nachfrage verwendet werden könnten. Dies ist darauf zurückzuführen, daß der liechtensteinisch-schweizerische Zollraum ein typisches Niederzoll­ tarifgebiet bildet und die Importe aus der Europäischen Gemeinschaft weniger konkurrierenden denn komplementären Charakter haben. Da die liechtensteinische Wirtschaft sich bereits an der obersten Grenze ihrer Kapazitäten befindet, wirkt eine weitere Steigerung der ' Vgl. 3.1. 8 Vgl. u. a. Kruse A., Außenwirtschaft, Die internationalen Wirtschaftsbeziehun­ gen, 2. Aufl., Berlin 1965, S. 24. 207
        

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