u. a.)115; und die Freiheit bleibt ein leeres Wort, wenn die Bürger nicht auf die Staatsordnung einwirken können. Zu den liberalen und demokratischen Grundrechten gesellen sich die sozialen, die auf eine positive Leistung des Staates im individuellen Interesse gerichtet sind. Sie wirken somit vor allem «egalitär-an­ spruchsbegründend» und «staatsexpandierend».118 Jellinek spricht diesbezüglich von einem «positiven Status».117 In Wirklichkeit ist der viel hervorgehobene Gegensatz zwischen den liberalen und demokratischen Grundrechten einerseits und den sozia­ len anderseits nicht dichotomischer, sondern dimensionaler Art.118 Nur wenn man die Freiheitsrechte als Gewährleistung einer absolu­ ten Freiheit von sozialer Bindung versteht, gefährden soziale Grund­ rechte die Freiheitsrechte.119 In Wirklichkeit erfüllen sie aber die Freiheitsrechte mit neuem materiellem Gehalt.120 Es ist deshalb über­ holt, betont Wildhaber121, Rechtsstaatlichkeit und Sozialstaatlichkeit als Antinomien hinzustellen. Der soziale Rechtsstaat vollzieht die Synthese zwischen Individuum und Gemeinschaft. «Nicht nur auto­ ritärer Zwang hindert das Individuum an seiner Entwicklung und Entfaltung», schrieb Theodor Tomandl122, «sondern ebenso man­ gelndes Wissen, mangelnde Ausbildung der Persönlichkeit, man­ gelnde ökonomische Sicherheit.» Die Persönlichkeitsentfaltung des Menschen, seine Freiheit und Möglichkeit der Teilhabe am Ge­ meinschaftswillen bedürfen der positiven Förderung durch die Ge­ meinschaft. Der Mensch ist zwar eine individuelle Persönlichkeit, aber auch ein soziales Wesen. 43.1 Stand der Verwirklichung der Grundrechte in Liechtenstein Bevor nun die Frage nach den Auswirkungen der europäischen Inte­ gration auf die Grundrechte in Liechtenstein gestellt werden soll, dürfte es angebracht sein, kurz den Stand der Verwirklichung der 115 Vgl. u. a. Zellweger E., Staatsschutz und Freiheitsrechte, Zürich 1958, S. 146; Bäumlin R., Die rechtsstaatliche Demokratie, Diss. Bern 1954, S. 97 ff. Iis Wildhaber (Anm. 112), S. 382; vgl. auch Grisel E., Les droits sociaux, in: Zeit­ schrift für Schweizerisches Recht, II. Halbband, Neue Folge, Band 92 (1973), S. 1 ff; Müller J. P., Soziale Grundrechte in der Verfassung, ebenda, S. 687 ff. n7 Jellinek (Anm. 113), S. 87. 118 
Vgl. u. a. Imboden M., Die politischen Systeme, Basel 1962, S. 95 ff.; Bäumlin, Die rechtsstaatliche Demokratie (Anm. 115), S. 70 ff. 119 Wildhaber (Anm. 112), S. 380. 120 
Vgl. u. a. Löwenstein K., Verfassungslehre, Tübingen 1959, S. 342 ff. !2i Wildhaber (Anm. 112), S. 372. 122 Tomandl T., Der Einbau sozialer Grundrechte in das positive Recht, Tübin­ gen 1967, S. 8. 179 12'
        

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