zutrifft, so besteht die Gefahr, daß die verbilligende Wirkung einer Aufwertung durch gesteigerte Preisforderungen ausländischer Expor­ teure kompensiert wird. Bei einer Abwertung steigen nicht nur die Preise der importierten Konsumgüter, sondern auch jener Kosten­ güter, die für die Produktion der Exporte eingesetzt werden, wo­ durch die gesteigerten Absatzchancen der Exportindustrie zunichte gemacht werden. Häufige Wechselkursänderungen des Schweizer­ frankens beinhalten damit für Liechtenstein die Gefahr der Stagfla­ tion, das heißt die Gefahr der Stagnation der wirtschaftlichen Ent­ wicklung bei steigenden Preisen. Für den liechtensteinisch-schweizerischen Wirtschaftsraum bildet die rigorose Handhabung flexibler Wechselkurse höchstens die bessere von zwei schlechten Lösungen zur Stabilitätserhaltung im Rahmen der europäischen Integration. Mit oder ohne flexible Wechselkurse nimmt seine wirtschaftspolitische Autonomie mit zunehmender Han­ delsintensivierung ab. Die liechtensteinische Wirtschaftslage paßt sich beinahe zwangsläufig derjenigen seiner großen Handelspartner an. Wegen der außenwirtschaftlichen Verflechtung ist demnach ein wirt­ schaftspolitischer Alleingang und eine isolierte Stabilitätspolitik Liech­ tensteins weder denkbar noch möglich. Die Integration beeinträchtigt die nationalen Wirtschaftspolitiken, weshalb durch die Schaffung eines gemeinsamen, effizienten Instru­ mentariums der betroffenen Länder und die Vereinheitlichung ihrer wirtschaftspolitischen Prioritäten ein Ausgleich geschaffen werden sollte. Anhänger stabiler und flexibler Wechselkurse sind sich des­ halb darüber einig, daß es sich dabei jeweils nur um die zweitbeste Lösung handelt. Die beste Lösung zur Erreichung des Stabilitätsziels in Westeuropa wäre «eine auf einer funktionellen Integration auf­ bauende Koordinierung der wirtschaftspolitischen Ziele und des Mit­ teleinsatzes bei stabilen Wechselkursen. Strikte Voraussetzungen die­ ser Alternative muß aber das Ziel der Stabilität des Preisniveaus sein».75 Diese Koordination ist am optimalsten gewährleistet in einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, die folgende Bedin­ gungen erfüllt: Die vollständige und irreversible Konvertibilität der Währungen, die Beseitigung der Bandbreiten der Wechselkurse, die unwiderrufliche Festsetzung der Paritätsverhältnisse, die völlige Libe­ ralisierung des Kapitalverkehrs und die Übertragung jener Zustän­ digkeiten von nationaler Ebene auf Gemeinschaftsebene, die für die Verwirklichung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts entschei­ 75 Müller-Armack, Hasse, Merx und Starbatty (Anm. 59), S. 121. 136
        

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