nalen konjunkturpolitischen Instrumentarien durch flexible Wechsel­ kurse entscheidend erhöht wird.70 Die Gegner flexibler Wechselkurse weisen besonders auf die Gefah­ ren spekulativer Geldbewegungen, ihre destruktiven Effekte auf Han­ dels- und Zahlungsverkehr und ihre die desintegrierende Wirkung hin. So schrieb z. B. Aschinger: «Integration und flexible Wechsel­ kurse schließen sich gegenseitig aus»71, und der heutige französische Staatspräsident Giscard D-Estaing vertrat noch 1970 den Standpunkt: «Le minimum de flexibilit£ est le maximum de stabilit£.»72 Auch die EG-Kommission sprach sich gegen größere Wechselkursflexibilität aus und betonte: «Eine Lockerung des Wechselkurssystems innerhalb der Gemeinschaft brächte große Nachteile mit sich. Ihrem Wesen nach würden sie eher eine unterschiedliche Entwicklung der Volkswirt­ schaft erleichtern, anstatt die notwendig erachtete Konvergenz zu fördern.»73 Die Anhänger flexibler Wechselkurse argumentieren ge­ rade umgekehrt und heben die Behinderung der wirtschaftlichen In­ tegration durch stabile Wechselkurse hervor.74 Was für Folgerungen können aus dieser wirtschaftswissenschaftlichen Auseinandersetzung gezogen werden? Sicher trifft es zu, daß flexible Wechselkurse den an der europäischen Integration beteiligten bzw. den von ihr betroffenen Staaten besser erlauben, die Preisstabilität zu wahren, führen flexible Wechselkurse doch zur ständigen Anpas­ sung des Außenwertes der Währungen von Stabilitätsländern. Dadurch werden ihre Exporte verteuert und ihre Importe verbilligt. Die Ver­ schlechterung der Absatzchancen ihrer Exportindustrien, verbunden mit der Verteuerung der Investitionen, wirken der importierten In­ flation wirksam entgegen. Das umgekehrte gilt für Inflationsländer. Diese theoretischen Erklärungen genügen dem Normalfall, sofern große spekulative Geldbewegungen ausbleiben. Spezielle Probleme ergeben sich aber für außenhandelsintensive kleinere Länder. Üben die Preise der Importe bei relativ starr komplementären Gütern ent­ scheidenden Einfluß auf die Entwicklung des Binnenpreisniveaus aus, wie dies für den liechtensteinisch-schweizerischen Wirtschaftsraum 70 Vgl. Heuss E., Autonome Geldpolitik und bewegliche Wechselkurse, in: Außen­ wirtschaft, 24. Jg. (1969), S. 153 ff. 71 Aschinger (Anm. 68), S. 18. 72 Ansprache des französischen Wirtschafts- und Finanzministers, Valery Giscard d'Estaing, bei der Jahresversammlung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank am 22. September 1970 in Kopenhagen. Zitiert nach Müller- Armack, Hasse, Merx und Starbatty (Anm. 59), Zitat Nr. 11, S. 89. 73 Mitteilung der Kommission an den Rat über die Ausarbeitung eines Stufen­ plans für die Errichtung einer Wirtschafts- und Währungsunion, Sonderbeilage zum Bulletin EG 3/1970, S. 6. 74 Vgl. Sohmen (Anm. 68), S. 25. 135
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.