keit67 als sehr gering eingestuft werden. Was ist von der Freigabe des Wechselkurses des Schweizerfrankens zu erwarten? Handelt es sich dabei um eine Möglichkeit zumindest die Voraussetzungen für die Übertragung konjunktureller Schwankungen der EG-Staaten auf den liechtensteinisch-schweizerischen Wirtschaftsraum zu beseitigen? In der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur wird heftig darüber diskutiert, ob flexible Wechselkurse einen Ausweg aus dem stabili­ tätspolitischen Integrationsdilemma bilden.68 Die Befürworter flexib­ ler Wechselkurse machen geltend, daß eine effektive Stabilitätspolitik nur erfolgreich sei, wenn die Veränderung der Wechselkurse zum wirtschaftspolitischen Instrumentarium der einzelnen Staaten gehöre. Erst dann sei eine autonome Konjunkturpolitik möglich.69 Durch Wechselkursänderungen soll die konjunkturelle Interdependenz neutra­ lisiert werden. Jedes Land müßte dann seine konjunkturellen Störun­ gen selber bekämpfen, da nicht mehr ein Teil der Lasten von den Handelspartnern getragen würde. Dies wäre, so meinen die Befür­ worter, um so leichter möglich, als daß die Wirksamkeit der natio- 67 Dies ist zur Hauptsache auf folgende vier Faktoren zurückzuführen: — Die Kargheit des liechtensteinischen Bodens: Die landwirtschaftliche Kultur­ fläche (inkl. Gartenbau) beträgt nur 24,1% des 16 000 ha großen Fürsten­ tums. 21,7% sind Waldungen, 31,9% Alpweiden und 22,3% unproduktives Land. (Statistisches Tabellenwerk des Fürstentums Liechtenstein 1973, S. 100.) Dies reicht nicht aus, um die Bevölkerung zu ernähren, weshalb Nahrungs­ mittelimporte unerläßlich sind. — Die Armut an Bodenschätzen und Rohstoffen: Liechtenstein verfügt über keine eigenen Bodenschätze und Rohstoffe. Dies zwingt es, die für seine Industrie benötigten Rohmaterialien und Ausgangsstoffe praktisch vollständig aus dem Ausland zu beziehen. — Die Binnenlage Liechtensteins: Das Fürstentum liegt weit entfernt von den bil­ ligen und großen Wasserverbindungen. Es muß daher seinen Außenhandel über den teuren Landweg abwickeln. — Das Fehlen eines eigentlichen Binnenmarktes: Die sehr beschränkte Aufnahme­ fähigkeit des kleinen Binnenmarktes zwingt die Industrie, sich auf den Export zu konzentrieren, was eine äußerst große Auslandabhängigkeit der liechten­ steinischen Wirtschaft zur Folge hat. (Vgl. Anm. 23.) Mit klaren Worten um­ schreibt Schnetzler in seiner Studie über die liechtensteinische Wirtschaftsstruk­ tur diesen Zustand: «Liechtenstein ist tatsächlich zur Sicherung des Nettoein­ kommensstromes aus dem Ausland zur Hauptsache auf die Industrie angewie­ sen. Alle andern Wirtschaftszweige können zu diesem Strom verhältnismäßig wenig beitragen. Infolgedessen hängen auch alle übrigen Kreislaufgrößen un­ zertrennlich von der Leistungsfähigkeit der Industrie ab. Liechtenstein kann die vielen Beschäftigten und seine Wohntätigkeit einzig und allein solange im Lande halten, als die Industrie auf den Auslandmärkten ihre Konkurrenz­ fähigkeit bewahrt.» Schnetzler (Anm. 12), S. 95. 68 Vgl. u. a. Sohmen E., Wirtschaftliche Integration bei starren und flexiblen Wechselkursen, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 1/1969, S. 25 f.; Rometsch S., Feste Wechselkurse als Integrationsbasis, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 11/1971, S. 665 ff.; Aschinger F., Die Problematik fle­ xibler Wechselkurse, in: Bulletin des Schweizerischen Bankvereins, 2/1969, S. 17 ff.; einen guten Überblick über die schweizerische Diskussion findet sich in der «Währungspolitischen Korrespondenz». 69 Müller-Armack, Hasse, Merx und Starbatty (Anm. 59), S. 81. 134
        

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