über den eigentlichen Kapazitätspfad hinaus und sind demnach von einer allgemeinen Preis- und Lohnsteigerung überlagert. Eine gewisse Entschärfung der Situation auf dem Arbeitsmarkt ließe sich durch die Übernahme der EG-Freizügigkeit für Arbeitskräfte durch Liechtenstein erzielen, doch sind, wie im Abschnitt 3.3 gezeigt werden soll, der Aufblähung des ausländischen Arbeitskräftebestan­ des auch bei Freizügigkeit klare Schranken gesetzt. Überdies kann kaum angenommen werden, daß sich Harmonisierungsmaßnahmen auf die Freizügigkeit der Arbeitskräfte beschränken würden. Müßte jedoch das Finanz- und Steuersystem der EG übernommen werden, so würde es bei der Schaffung einer europäischen Wirtschaftsunion zur Kapitalabwanderung kommen. Dies dürfte sich ebenso negativ auf die liechtensteinische Wirtschaft auswirken wie die Überbeschä- tigung. Langfristig ist wohl damit zu rechnen, daß sich im Fürsten­ tum mit oder ohne Beteiligung an der europäischen Integration ein neuer Gleichgewichtszustand herausbildet, der eventuell unter dem heutigen Niveau liegt, jedoch den effektiven Kapazitäten der liech­ tensteinischen Wirtschaft besser entspricht. Die bisherigen Ausführungen legen die Frage nahe, ob es für das Fürstentum nicht angebracht gewesen wäre, auf den Abbau von Han­ delsschranken ganz zu verzichten. Aus einer Trennung Liechtensteins von den Staaten der EG würde eine Diskriminierung liechtensteinischer Exporte in den EG-Wirt­ schaftsraum resultieren. Abnehmende Produktivität und Rentabilität wären die Folge. Trotz der spezifischen liechtensteinischen Vorteile müßte für diesen Fall mit der Verlegung von Produktionsstätten in den EG-Raum gerechnet werden. Eine Entspannung der Beschäfti­ gungslage, eventuell die Rückkehr zur Vollbeschäftigung, wäre kurz­ fristig die nicht ganz unerwünschte Folge. Längerfristig würden nega­ tive Reaktionen jedoch nicht ausbleiben. Die Verringerung der In­ vestitionen hätten eine abnehmende Nachfrageelastizität nach Arbeit bei zunehmender Angebotselastizität zur Folge. Unterbeschäftigung träte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht sofort auf. Sie läge jedoch, z. B. im Falle eines europäischen Konjunkturrückganges, durchaus im Bereich des Möglichen. Die Krisenanfälligkeit der Wirtschaft nähme zu. Die positiven Auswirkungen einer Trennung auf die Be­ schäftigungslage erweisen sich bei genauer Analyse somit als kurz­ fristig und vordergründig. 32.2 Die Folgen der importierten Inflation Im Zusammenhang mit der Preisstabilität hat man auf eine weitere Besonderheit des europäischen Integrationsprozesses hinzuweisen. Der 129 9
        

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