die Leistungen ausländischer Zweigbetriebe. Wird überdies die starke Teuerung berücksichtigt, so muß angenommen werden, daß infolge der anhaltenden beträchtlichen Produktionsverlagerungen ins Aus­ land der Realwert des Exports aus liechtensteinischer Produktion sich nicht mehr erhöht oder sogar zurückgebildet hat.»55 Als Charakteristikum für die liechtensteinische Wirtschaft kann in der ersten Hälfte der siebziger Jahre wohl die Tatsache bezeichnet werden, daß der Faktor Arbeit die Ausdehnung der Produktion limi­ tiert. Innerhalb gewisser Grenzen ist eine Substituierung von Arbeit durch Kapital sicher möglich, doch legt das Gesetz des abnehmenden Grenzertrages den Schluß nahe, daß der erforderliche Kapitalauf­ wand überproportional zur Steigerung der Produktion zunimmt. Uberproportionale Lohnsteigerungen und Verlagerung der Produk­ tion ins Ausland sind die typischen Anzeichen der Überbeschäftigung. Welches sind nun die Folgen eines Abbaus tarifärer und nichttarifärer Handelshemmnisse zwischen der an Überbeschäftigung leidenden liechtensteinischen Wirtschaft und den EG-Staaten? Sieht man von konjunkturellen Schwankungen ab, so dürfte die Annahme wohl zu­ treffend sein, daß die Annäherung Liechtensteins an die EG zu einer Steigerung der Nachfrage nach liechtensteinischen Produkten aus dem EG-Raum führt. Da die Elastizität von Beschäftigung und Output gegenüber weiteren Nachfrageausdehnungen in Liechtenstein sehr ge­ ring ist, geht mit dieser Entwicklung eine zusätzliche Inflationierung der Wirtschaft einher, das heißt, die durch die Integration induzierte Outputzunahme, «welche über die Kapazitätspfade hinaus erzielt wird, ist von einer allgemeinen Preis- und Lohnsteigerung über­ lagert».56 Je mehr sich die Elastizität von Beschäftigung und Output in Liechtenstein Null nähert, das heißt, je geringer die Steigerung des Einsatzes von zusätzlichen Produktionsfaktoren bei einer Zunahme der Nachfrage wird, desto mehr steigen die Preise und Löhne. Damit gelangt man zu einer weiteren Schlußfolgerung. Ein Abbau von Handelsschranken zwischen Liechtenstein und der Europäischen Gemeinschaft hat, wie im Abschnitt 3.1 dargelegt wurde, positive Wachstums- und Wohlstandseffekte, die jedoch kaum ausgenützt werden können, denn der Faktor Arbeit ist in Liechtenstein weit­ gehend zum limitationalen Produktionsfaktor geworden. Eine große Ausdehnung der Produktion ist kaum mehr zu realisieren, da die Elastizität von Beschäftigung und Output gegenüber weitern Nach­ frageausdehnungen sehr gering ist. Weitere Outputzunahmen gehen 55 Jahresbericht 1972 LIK, S. 9. 56 Borner S., Die Überbeschäftigung, Ansätze zu einer theoretischen Klärung, Diss. St. Gallen 1969, S. 109. 128
        

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