gestrebte Gleichschaltung der institutionellen Rahmenbedingungen berücksichtigt nationale und regionale Unterschiede nur ungenügend. Durch die Harmonisierung entblößen sich die Mitgliedstaaten aber ihrer Instrumentarien zum nationalen Ausgleich allfälliger Schwierig­ keiten, ohne daß die nötigen Konsequenzen sofort auf Gemeinschafts­ ebene gezogen werden. Die ganze Problematik sieht man am besten am Beispiel der Landwirtschaft. Ähnlich stellt sich aber auch das Regionalproblem. Die europäische Integration führte bisher zu einer Verschärfung regionaler Gegensätze. Der angestrebte Ausgleich konn­ te noch nicht realisiert werden. Man kann damit eine erste Schlußfolgerung für Liechtenstein ziehen: Der Abbau von Handelshemmnissen wirkt sich auf die Quantität von Wachstum und Wohlstand günstig aus. Er bleibt jedoch nicht ohne Auswirkungen auf die strukturelle Gliederung der liechtenstei­ nischen Volkswirtschaft. Je weiter die Harmonisierung vorangetrie­ ben wird, desto mehr verliert Liechtenstein die Möglichkeit, natio­ nale Gegenmaßnahmen zu treffen. Aufgrund der Kompliziertheit des gemeinschaftlichen Willensbildungs- und Entscheidungsprozesses muß in der Regel damit gerechnet werden, daß es eine gewisse Zeit dauert, bis auf Gemeinschaftsebene wirksame Maßnahmen Zustandekommen. Diese Situation läßt grundsätzlich zwei verschiedene Schlüsse zu: 1.Die Beziehungen zwischen Liechtenstein und der Gemeinschaft sollten einen gewissen Intensitätsgrad nicht überschreiten. Dieser ist dadurch gekennzeichnet, daß Liechtenstein noch über die Mög­ lichkeit verfügt, negativen strukturellen Auswirkungen entgegen­ zutreten. Hat die Gemeinschaft zur Bewältigung dieser Probleme geeignete Mittel entwickelt (Struktur- und Regionalpolitik), gilt es, aufs Neue die Vor- und Nachteile einer weitergehenden Bindung abzuwägen. 2. Liechtenstein sollte versuchen, in vermehrtem Maße Einfluß auf die Weiterentwicklung der Gemeinschaft auszuüben. So könnte es eventuell vermeiden, daß es eines Tages Entscheidungen nachvoll- ziehen muß, die ohne Berücksichtigung seiner Interessen zustande­ gekommen sind. Die zweite Variante hebt besonders die mit einer allfälligen engeren Verbindung in bezug stehenden Mitbestimmungs- und Mitgestaltungs­ möglichkeiten hervor. Realistischerweise soll jedoch bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß auch unter Annahme eines möglichen Beitritts Liechtensteins zur EG seine Einflußmöglichkeiten, vorsichtig ausgedrückt, sehr gering sind. An anderer Stelle soll dieses Problem ausführlicher behandelt werden. 123
        

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