schwung. «So betrug das Bilanztotal auf Kriegsende, bzw. per 31. De­ zember 1945 Fr. 38 Millionen und per 1970 Fr. 1380 Millionen, ent­ sprechend einem Zuwachs von über, 3000% innerhalb von 25 Jahren. In der Schweiz hingegen betrug auf Ende 1945 das Bilanz-Gesamt- total Fr. 21 Milliarden und 1970 ungefähr Fr. 180 Milliarden, also nur etwa achtmal soviel für dieselbe Zeitspanne.»35 Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die Holding-Gesellschaften, die sich wegen der Holding-Privilege im Fürstentum gebildet haben und Millionenwerte verwalten. Welche Auswirkungen hat nun die europäische Integration auf den Tertiärsektor? Unmittelbare Konsequenzen dürften sich nur für Sitz- und Holdings-Gesellschaften ergeben, und zwar für den Fall, daß Liechtenstein sich an der Harmonisierung der direkten Steuern in Westeuropa beteiligt. Mit diesem spezifisch liechtensteinischen Aspekt befaßt sich der nächste Abschnitt. Nachfolgend sollen die indirekten Auswirkungen in den Vordergrund gestellt werden. Ein Abbau von Handelshemmnissen löst zwei für den Tertiärsektor relevante Effekte aus: — Einen 
Kosteneffekt, hervorgerufen durch die zunehmende Nach­ frage nach Produktionsfaktoren der exportorientierten Wirt­ schaftszweige. — Einen 
Einkommenseffekt, induziert durch die verbesserte Ertrags­ lage der Industrie und damit einhergehende Steigerungen der Arbeits- und Kapitaleinkommen. Da die Elastizität der Nachfrage nach Leistungen des Tertiärsektors im allgemeinen größer ist als Eins, steigt die Nachfrage nach Diensten stärker als die Nachfrage nach Gütern. Deshalb kommt der Einkommenseffekt in erster Linie diesem Wirtschaftssektor zu­ gute. Dies löst einen sekundären Kosteneffekt aus, wird doch der Tertiärsektor, um die zunehmende Nachfrage decken zu können, zu­ sätzlich Produktionsfaktoren anziehen. Mit großer Wahrscheinlich­ keit können nur die unmittelbar von der Integration profitierenden Wirtschaftszweige diese sekundäre Kostensteigerung auffangen. Das Zusammenwachsen der europäischen Staaten zu einer wirtschaft­ lichen Einheit birgt für Liechtenstein somit die Gefahr, daß sich seine Wirtschaft auf zwei Bereiche konzentiert: Auf die exportorientierten Wirtschaftszweige, hauptsächlich auf die metallverarbeitende Branche, und auf den Tertiärsektor. Die damit verbundene Risikokonzentra­ 35 Batliner E. H., Das Bankwesen im Fürstentum Liechtenstein, in: Fürstentum Liechtenstein, Eine Dokumentation, Vaduz 1971, S. 88. 116
        

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